wissen.de
Total votes: 0
Rätsel des Alltags

Wieso ist Gähnen ansteckend?

Ansteckendes Gähnen
Ansteckendes Gähnen

Menschen, die vom Gähnen angesteckt werden, sind verständnisvolle und mitfühlende Persönlichkeiten, sagen die Forscher der Universität von New York in Albany.

Menschen und viele Tiere gähnen. Oft hört man, es hätte etwas mit Sauerstoffmangel zu tun. Doch die Tatsache, dass Reinhold Messner ohne einmal zu gähnen den Mount Everest bezwang, lässt an dieser Meinung stark zweifeln. Aber warum ist es so ansteckend?

Anfälligkeit zum Mitgähnen

Dass Sauerstoffmangel die Ursache für das Gähnen ist, wurde bereits 1987 von Forschern widerlegt. In einem ihrer Experimente erhielt ein Teil von Probanden reinen Sauerstoff zum Atmen. Gegähnt haben sie genauso oft wie jene, die normale Luft atmeten. US-amerikanische Forscher haben nun einen Zusammenhang zwischen der Persönlichkeit eines Menschen und seiner Anfälligkeit, sich durch Gähnen anstecken zu lassen, herausgefunden.

Sensibelchen gähnen mit

Menschen, die vom Gähnen angesteckt werden, sind verständnisvolle und mitfühlende Persönlichkeiten, sagen die Forscher der Universität von New York in Albany. Die amerikanischen Psychologen zeigten Testpersonen Videoaufnahmen von gähnenden Menschen. Dabei notierten sie sich, wie oft die Versuchskaninchen auch gähnen mussten. Zudem führten die Forscher noch zusätzliche psychologische Tests mit den Versuchsteilnehmern durch.

Sympathie zeigen

Das Ergebnis der Untersuchung war sehr überraschend: Diejenigen Testpersonen, die sich nicht vom Gähnen auf dem Videofilm anstecken ließen, konnten sich auch in anderen Testsituationen schlecht in andere Menschen hineinversetzen. Sie konnten die Stimmung von anderen kaum spüren. Die Testpersonen, die oft mitgähnten, konnten sich viel besser in die Stimmungslage anderer hineinversetzen. Die Forscher vermuten, dass das Mitgähnen ein Weg ist, unbewusst dem Anderen Sympathie zu zeigen, sich mit ihm zu verbünden.

Eine stumme Sprache

Menschen mit einer psychischen Krankheit oder Persönlichkeitsstörungen können überhaupt nicht zum Mitgähnen bewegt werden. Bei solchen Erkrankungen haben die betroffenen Menschen extreme Probleme, die Gefühle anderer Menschen zu erkennen. Gähnen soll also eine Art Kommunikation, eine "stumme" Sprache sein.

Ähnliches vermuten Evolutionsbiologen. Nach ihrer Auffassung diente das Gähnen in der sprachlosen Urzeit des Menschen der Synchronisation von Gruppenaktivitäten. Mit dem Gähnen wurde dieser Hypothese zufolge eine intensivere Aktivität eingeleitet, wie zum Beispiel Jagen. Es war vermutlich eine Aufforderung an die anderen Gruppenmitglieder, gemeinsam zur Jagd zu gehen.
 

Dr. Alexander Stahr
Total votes: 0