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Rätsel des Alltags

Woher kommt die Grüne Minna"?

Wenn die Grüne Minna kommt, dann naht wer? Klar, ein Streifenwagen der Polizei, auch wenn die Einsatzfahrzeuge der Ordnungshüter heutzutage immer häufiger in blau an den Einsatzorten aufkreuzen. Doch was hat das mit "Minna" zu tun?

 

Zur Minna gemacht

Gotthold Ephraim Lessings Lustspiel "Minna von Barnhelm" zeigt, dass Minna eine sogenannte selbstständige Kurzform von Wilhelmine oder Wilhelmina ist, ein eigenständiger weiblicher Vorname. Weitere Kurzformen sind etwa Mimi oder Mine.

Doch hieß in früheren Zeiten ein Dienstmädchen Wilhelmine oder Wilhelmina, so wurde sie kurz Minna genannt, was den höheren Gesellschaftsschichten als passender für eine Person erschien, die niedere Tätigkeiten ausführte. Dienstmädchen wurden fast wie Leibeigene behandelt und oft wegen Nichtigkeiten auf übelste Art und Weise beschimpft und erniedrigt.

Daher rührt das Sprichwort "jemanden zur Minna machen", also jemanden zusammenstauchen oder umgangssprachlich formuliert "jemanden fertig machen" vom früheren Umgang mit weiblichem Hauspersonal Namens Wilhelmine oder Wilhelmina.

 

Rabiate Verhörmethoden

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden von Pferden gezogene Gefangenentransportwagen in Berlin eingeführt. Ihre Farbe war grün. Personen, die in solch einen Wagen gesperrt wurden, bekamen es mit den heute nicht mehr denkbaren rabiaten Verhörmethoden der Polizei zu tun.

Sie wurden also zur Minna gemacht: beschimpft und erniedrigt wie die Dienstmädchen. Aus diesem Umstand heraus und wegen der grünen Farbe der Transportwagen entstand die "Grüne Minna". Ein Polizeifahrzeug mit dem Namen "Grüne Minna" der Firma Bergmann aus dem Jahr 1921 steht übrigens in der Polizeihistorischen Sammlung Berlin.
 

Dr. Alexander Stahr
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