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Rätsel des Alltags

Woher kommt eigentlich der Begriff "Bulle"?

"Die Bullen kommen!"

Wenn man einen Polizisten Bullen nennt, hat das einen abfälligen Beigeschmack. Eigentlich bedeutet Bulle aber so viel wie "kluges Köpfchen".

Warum werden Polizisten als Bullen bezeichnet?

"Achtung, die Bullen kommen!" Das hört man in vielen Krimis. Von den Gras fressenden Weidetieren stammt das Schimpfwort jedoch nicht ab. Und: Ein Schimpfwort ist "Bulle" erst Recht nicht. Es ist eigentlich ein Achtungsbeweis für Polizeibeamte.

 

Kluger Mensch

Schon im 18. Jahrhundert nannte man die Gendarmen, die Vorläufer der heutigen Schutzpolizei, "Landpuller", "Landbohlwer" oder "Bohler". Der Ausdruck wurde je nach der regionalen Mundart abgewandelt. Der Ursprung dieser Wörter liegt in dem niederländischen Begriff "Bol", was soviel wie "Kluger Mensch" bedeutet. Ein "Landpuller", "Landbohlwer", "Bohler" oder abgewandelt ein "Bulle" ist demnach ein Mensch mit Kopf und Hirn.

 

Die wilden 60er

Mitte der 60er Jahre kam es zu vielen Demonstrationen gegen althergebrachte Gesellschaftsstrukturen. Es entstand die APO (Außerparlamentarische Opposition) in Berlin. Protestaktionen auf der Straße waren an der Tagesordnung. Stichwort: "Vietnamkrieg". Die Polizei stand dabei immer im Mittelpunkt und war ständiger Kritik ausgesetzt. In dieser Zeit entwickelte sich der Begriff "Bulle" als Schimpfwort für die Polizei.

 

Bis heute eine Beleidigung

Ob hierzu auch das starke Auftreten der Polizei, ähnlich einem gehörnten Weidetier, beigetragen hat, lässt sich heute nicht mehr klären. Das Amtsgericht Bonn hat im Jahr 1965 den Begriff "Bulle" erstmals als Beleidigung eingestuft und eine Geldstrafe von 50,-DM für den Anwender verhängt. Nach einer Entscheidung des Landgerichts Essen aus dem Jahr 1980 gilt das Wort "Bulle" als Beleidigung, wenn damit ein Polizeibeamter gemeint ist. Ein Urteil, das noch heute Bestand hat. Vielleicht sollte man deshalb bei der nächsten Gelegenheit ganz einfach "Bohler" zum Freund und Helfer sagen.

Dr. Alexander Stahr
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