wissen.de
Total votes: 55
Redewendung des Tages

Es geht einem an die Nieren

1235784b.jpg
Niedergeschlagen

Wenn sich Freude in Enttäuschung verwandelt, kann das ganz schön an die Nieren gehen.

Minus zehn Grad, eisiger Wind, schnell hat man sich da verkühlt. Kälte geht an die Nieren – dort sind wir Menschen empfindlich. Auch psychische Anspannung kann auf den Unterleib durchschlagen. Darum benutzen wir die Redewendung auch im übertragenen Sinn: Wenn uns etwas hart trifft, also seelisch sehr belastet, wie ein Trauerfall oder eine schwere Enttäuschung, geht uns dies im sprichwörtlich "an die Nieren".

Eigentlich spielen die Nieren bei Stressreaktionen zunächst keine wichtige Rolle, dies ist den Nebennieren vorbehalten: Als Hormondrüsen sind sie beispielsweise zuständig für den Ausstoß von Adrenalin. Es handelt sich bei den Nebennieren allerdings, trotz der Ähnlichkeit in der Benennung, um eigenständige Organe, die von ihrer Funktion her mit den Nieren nichts zu tun haben.

Wenn sich Stress auf die Arbeit der Nieren auswirkt, dann eher indirekt. Beispielsweise, wenn die dauernde Anspannung das Immunsystem schwächt. Bei Kälte ist der Körper dann besonders anfällig für Blasenentzündungen, die sich zur Nierenbeckenentzündung ausweiten kann.

Bei der Redewendung klingt zudem noch mit, dass in der Antike die inneren Organe Leber, Herz und Nieren als Sitz von Gemütsbewegungen galten. "Meine Nieren sind froh, wenn deine Lippen reden, was recht ist", heißt es in den biblischen Sprüchen Salomos (23,16).

Ärzte des Mittelalters wie Albertus Magnus, ein Forscher und Gelehrter des 13. Jahrhunderts, und Paracelsus - Arzt, Naturforscher und Philosoph im 15. Jahrhundert - sahen in der Niere gar das "Angstorgan".

Abseits der Medizin hat die Niere auch in der Musik als verwundbarer Punkt des Körpers Einzug erhalten: So ließ Richard Wagner seinen Siegfried beim Drachenkampf gleich dort ansetzen: "Nothung (das Schwert) stoß ich ihm erst in die Nieren."

Total votes: 55