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Redewendung des Tages

Unter uns Pastorentöchtern

Kindliche-schlichte Unschuld

Pfarrerstöchter galten früher als besonders fromm und züchtig. Heute folgt auf die Einleitung "unter uns Pastorentöchtern" meist eine besonders derbe Bemerkung.

Sie sind fast ausgestorben, jene züchtigen, frommen Damen, die bei der geringsten Schlüpfrigkeit rot wurden und bei derben Witzen schockiert das Zimmer verließen. Solche Überempfindlichkeiten wurden besonders Töchtern evangelischer Pastoren zugeschrieben.

Schon der Dichter Friedrich Rückert hat sich 1829 in seinem Gedicht "Die Pfarrjüngferchen" über diese kindlich schlichten Damen lustig gemacht, die sich um selbstgemachte "Zöpfchen", "Strümpfchen", "Lätzchen" und "Schürzchen" kümmern, aber so schnell alte Jungfern werden, "dass einem Junggesellchen die Lust um anzubeißen fehlt".

Und so ist es blanke Ironie, wenn man heute bemerkt "Das sage ich mal unter uns Pastorentöchtern", denn dann folgt mit Sicherheit eine derbe oder intim-vertrauliche Bemerkung. Wer das Augenzwinkern auf die Spitze treiben will, äußert sogar anzüglich "Das sage ich mal unter uns katholischen Pastorentöchtern".

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