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Schizophrenie: Wenn das Ich sich auflöst

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Kaurende junge Frau, bedroht von schemenhaften, zupackenden Händen
Typischerweise bricht Schizophrenie bei jungen Menschen aus.

Typischerweise bricht Schizophrenie bei jungen Menschen aus.

 

 

Wer erkrankt an einer Schizophrenie?

„Für einen Ausbruch der Psychose müssen einige Faktoren zusammenkommen“, berichtet Gaebel, „nämlich eine biologische Anlage, wie Erkrankungen in der Familie oder Komplikationen in der Schwangerschaft, sowie psychosozialer Stress oder kritische Lebensereignisse.“ Auch der Konsum von Drogen – vor allem von Cannabis – kann Wegbereiter für die Krankheit sein.

Eine Schizophrenie entwickelt sich in der Regel schleichend: „Eine schizophrene Psychose kündigt sich häufig schon viele Jahre vorher mit recht unspezifischen Symptomen an, wie sozialer Rückzug, Lustlosigkeit oder allgemeines Misstrauen“, berichtet Birgit Janssen, Oberärztin an der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie am LVR-Klinikum Düsseldorf.

Was kann man tun?

Oft suchen die Betroffenen sehr spät Hilfe – auch aus Angst davor, Vorurteilen ausgesetzt zu sein. Denn noch immer gibt es erhebliche Vorurteile über die Schizophrenie, schnell werden an ihr leidende Menschen als "verrückt" abgestempelt. Dabei kann ihnen mit einer Kombination von Medikamenten, Psychotherapie und Soziotherapie gut geholfen werden. „Mit Hilfe dieser Angebote gelingt es, bei etwa 70 Prozent aller Patienten eine relative Symptomfreiheit zu erreichen und das Risiko für Rückfälle zu senken“, sagt Gaebel.

Zwar bleiben einige Patienten langfristig beeinträchtigt und haben Probleme, einen Beruf auszuüben oder eine Partnerschaft einzugehen. „Aber ich kriege mein Leben ohne stationäre Psychiatrie hin, auch wenn ich zwischenzeitlich therapeutische Hilfe benötige“, schildert eine Betroffene ihre Erfahrungen.

Noch immer stigmatisiert

Als viel schlimmer als die Symptome ihrer Erkrankung empfinden viele Schizophrene die Stigmatisierung: Menschen reagieren mit Angst und Ablehnung auf die Krankheit und ihre Betroffenen. Wer unter einer schizophrenen Psychose leidet, läuft in manchen deutschen Bundesländern auch heute noch Gefahr, seinen Führerschein zu verlieren, wenn das der Polizei oder den Behörden bekannt wird. Wer schizophren ist, bekommt zudem keine Stelle im öffentlichen Dienst und wird schon gar nicht beamtet.

Eine solche Stigmatisierung ist für die Betroffenen – neben ihrer eigentlichen Krankheit – eine zusätzliche Bürde. „Stigmatisierung schadet dem Selbstwertgefühl, verschlechtert den die Diagnose, denn um der Ablehnung zu entgehen, gehen viele Betroffene nicht oder erst spät zum Arzt, um die Diagnose ‚psychisch krank’ zu vermeiden. Die Vorurteile gegen diese schillernde Krankheit abzubauen, ist daher ebenso wichtig wie eine gute Therapie.

Aktionsbündnis seelische Gesundheit/ NPO, 04.11.2015
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