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Self-Tracking - Das vermessene Ich

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Self-Tracking mit Smartphone oder Sensor-Armband
Self-Tracking mit Smartphone oder Sensor-Armband

Welche technischen Hilfsmittel gibt es?

Es gibt eine Reihe von technischen Spielereien, die dabei helfen sollen, die Körperdaten zu erheben und auszuwerten. Über spezielle Lauf-Apps kann man beispielsweise die tägliche Joggingrunde messen. Die Programme berechnen auch die Durchschnittsgeschwindigkeit oder den Kalorienverbrauch. Mit Smartphone-Apps und Sensor-Armbändern  kann man seinen Schlaf überwachen und erhält detaillierte Angaben über Tiefschlaf- und Wachphasen. Es gibt Körperwaagen, die sich über WLAN mit dem Internet verbinden und die Körperfettwerte übermitteln. Kleine kabellose Sensoren können jeden Schritt und jede erklommene Treppenstufe aufzeichnen. Über Stimmungsbarometer wird die Tageslaune festgehalten. Selbst Geräte, die die Hirnströme messen, sind mittlerweile für den Hausgebrauch zu haben. Anwendung wie Forsquare ermöglichen es, die eigenen Bewegungsmuster aufzuzeichnen. In Sachen Ernährung kann man sich ebenfalls über das Mobiltelefon Hilfe holen: Das Essen wird abfotografiert und über eine App hochgeladen. Andere Nutzer können dann bewerten, wie gesund das Essen war. Wem das noch nicht ausreicht, der kann auch für wenige hundert Euro bei einem Onlinedienst seine Gene analysieren lassen. Ein bisschen Spucke sei alles, was man braucht. Die Messergebnisse werden meist in sozialen Netzwerken geteilt und verglichen.

Freiheit oder Überwachung?

Während die Anhänger der Bewegung die Freiheit schätzen, sich selbst zu analysieren, warnen Kritiker vor permanenter Überwachung. Datenschützer geben zu bedenken, dass die erhobenen Daten sensible Informationen enthalten und sie nicht genügend geschützt würden. Wenn die Ergebnisse beispielsweise in sozialen Netzwerken geteilt werden, erhalten die Anbieter der Plattform häufig Nutzungsrechte an den Daten. Diese Informationen interessieren vor allem Pharmafirmen, Krankenkassen oder Marketingchefs.

Zivilisationskrankheiten wie Bluthochdruck, Diabetes oder Übergewicht könnten mit stetiger Selbstvermessung bekämpft werden, glauben die Anhänger von Quantified-Self. Außerdem könne das Gesundheitswesen demokratischer gestalten werden, wenn die Informations- und Deutungshoheit nicht mehr nur bei den Ärzten liegen. Jeder Einzelne kann mit den Messungen etwas über seinen Gesundheitszustand erfahren und damit auch ärztliche Diagnosen unterstützen. Kritiker bemängeln dagegen das blinde Vertrauen in die Zahlenkolonnen und statistischen Auswertungen und geben zu bedenken, dass meist viele verschiedene Faktoren bei einer Krankheit zusammenfließen, auch solche, die bei den Analysen nicht erfasst werden. 

Julia Räsch
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