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Synästhesie – eine ganz besondere Form der Wahrnehmung

Mit allen Sinnen aktiv: Wenn das Gehirn “überreagiert“

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Wo und wie ist Synästhesie nützlich?

Viele berühmte Künstler, darunter Namen wie Kandinsky, Nabokov und Goethe, waren Synästhetiker. Wer sich näher mit dem Phänomen befasst, wird in der Tat feststellen, dass die meisten Synästhetiker in kreativen oder künstlerischen Berufen tätig sind. Außerdem sind wesentlich mehr Frauen (man spricht von 80 Prozent) von dem Phänomen betroffen als Männer und man vermutet, dass die Eigenschaft vererbt wird. Außerdem sollen Synästhetiker über eine überdurchschnittliche Intelligenz verfügen.

Viele dieser Menschen haben nicht nur diese besondere Art der Wahrnehmung, sondern scheinen überhaupt empfindlichere Antennen zu haben. Tatsächlich findet man bei Synästhetikern eine besondere innere Festigkeit und Ausgeglichenheit. Sie haben eine bemerkenswert starke Ausprägung von "Angstfreiheit", psychischer Stabilität und innerer Geborgenheit. Auffallend häufig berichten Synästhetiker von Déjà-vu-Erlebnissen, über voraussehende Träume sowie telepathische und hellseherische Fähigkeiten.

Synästhesie ist nicht erlernbar. Sie ist eine angeborene Eigenschaft. Synästhetiker zeichnen sich u.a. durch ein erstaunliches Gedächtnis und hohe Kreativität aus. Dadurch, dass die meisten von ihnen sich Zahlen und Buchstaben anhand der jeweiligen Farben leicht merken können, fällt es ihnen auch nach Wochen und Monaten nicht schwer, aus dem Gedächtnis eine vollständige Adresse und Telefonnummer, eine komplette Textstelle oder ein Gedicht korrekt wiederzugeben. So war die Praktikantin eines Steuerberaters sehr schnell bei ihren Kollegen beliebt, weil sie sich bereits nach der ersten Woche jede Mandantennummer ohne Mühe merken konnte. Dadurch mussten die Kollegen nicht jedes Mal erst lange nachschlagen, sondern konnten sie einfach nach der Nummer fragen, was wiederum viel Zeit sparte.

Viele Synästhetiker machen sich als Künstler einen Namen, indem sie die synästhetischen Erlebnisse in ihre Kunst einfließen lassen und beispielsweise Beethovens 9. Symphonie als buntes Gemälde darstellen oder ihre synästhetischen Wahrnehmungen in Gedichtform niederschreiben.

Manche Menschen rechnen auch farbig. Bei einer Probandin wurde eine Variante des sogenannten Stroop-Tests durchgeführt, d.h. ihr wurden Zahlen vorgelegt, die unterschiedlich gefärbt waren. Stimmten für die Probandin Zahl und Farbe überein, fand sie diese bedeutend schneller auf dem Blatt, als wenn die Zahl in der "falschen" Farbe geschrieben war. Gleiches wurde anschließend mit kompletten Rechenaufgaben versucht. So wurde z.B. das Ergebnis von 2+5 erfragt. Es standen verschiedene Antworten zur Auswahl, wobei außerdem jedes Ergebnis in einer anderen Farbe geschrieben war. Alle angezeigten Zahlen und ihre zugehörigen Farben stimmten in dem Fall für die Frau überein. Es stellte sich heraus, dass die Probandin das richtige Ergebnis dadurch wesentlich schneller auf dem Bogen fand, als Nicht-Synästhetiker.

aus der wissen.de-Redaktion
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