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Temporäre Selfies - bleibende Eindrücke

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Selfie mit trinkendem Paar
Dass ein Beitrag nur kurzzeitig öffentlich ist, entschuldigt aus Sicht der meisten Betrachter ein peinliches Selfie nicht.

Unangemessen bleibt unangemessen

Während wir also glauben, unter dem Schutzschirm der Vergänglichkeit weiter gehen zu können als normalerweise, sehen Betrachter das in der Regel anders. Solche Asymmetrien in der Beurteilung des Verhaltens anderer sind in der Sozialpsychologie bereits hinreichend dokumentiert: Betrachter beziehen das Verhalten von Akteuren auf deren Persönlichkeitsmerkmale und nicht auf situative Faktoren – Akteure denken dagegen genau umgekehrt.

Folglich wird der Eindruck, der beim Betrachter des Fotos entsteht, primär vom Inhalt auf dem Foto beeinflusst und weniger davon, auf welcher Plattform das Foto genau geteilt wurde. Diese Problematik wird den Forschern zufolge dadurch verstärkt, dass die Vergänglichkeit von Daten das Teilen von sensiblen Inhalten generell noch fördert.

"Permanent in schlechter Erinnerung"

Auch wenn der Personaler das temporäre Selfie später nicht mehr finden wird. Wer heute bestimmte Inhalte von uns sieht, kann das noch Jahre danach in die Bewertung unserer Person einfließen lassen: "Auch beim Teilen von Inhalten über Snapchat und Instagram Stories sollte man sich den möglichen längerfristigen Konsequenzen bewusst sein", sagt Studienautor Hofstetter.

Aus den Ergebnissen werde ersichtlich, dass der Eindruck beim Betrachter haften bleibe, auch nachdem das Foto nicht mehr verfügbar ist. "Zusätzlich achten die Betrachter weniger darauf, wie geteilt wird – ob auf einer temporären oder einer permanenten Plattform –, sondern vielmehr darauf, was geteilt wird." Unangemessene Inhalte würden deshalb nicht automatisch akzeptiert, nur weil diese über Snapchat oder Stories geteilt wurden. "Kurz zusammengefasst: Temporäre Inhalte können permanent in schlechter Erinnerung bleiben", schließt der Wissenschaftler.

Universität Luzern / DAL, 05.01.2018
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