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Tod der Geschwister Scholl

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Loyale Geschwister

Doch auch angesichts dieser ausweglosen Lage bleiben die beiden ihren Prinzipien treu: Während ihrer Befragung will Mohr Sophie Scholl die Möglichkeit geben, die Todesstrafe zu umgehen. Sie soll sich von ihrem Bruder distanzieren und erklären, dass seine und ihre Handlungen und Überzeugungen verurteilenswert seien.

Sophie aber unterschreibt lieber ihr Todesurteil anstatt ihren Bruder und sich selbst zu verraten. "Ich bin nach wie vor der Meinung, das Beste getan zu haben, was ich gerade jetzt für mein Volk tun konnte. Ich bereue meine Handlungsweise nicht und will die Folgen, die mir aus meiner Handlungsweise erwachsen, auf mich nehmen", sagt sie laut Vernehmungsprotokoll.

Mutig - bis zuletzt

Beide Geschwister versuchen gegenüber den Gestapo-Beamten, alle Schuld auf sich zu laden. In Verdacht geratene Freunde bezeichnen sie als "unpolitisch". Trotzdem können sie nicht verhindern, dass am Abend des gleichen Tages Willi Graf verhaftet wird, zwei Tage darauf Christoph Probst, wenig später auch Alexander Schmorell, Kurt Huber und in der Folge noch viele Freunde und Bekannte aus dem Umfeld der "Weißen Rose".

Auch wenn die überlieferten Protokolle aus Hand der Gestapo stammen und daher mit aller Vorsicht betrachtet werden müssen, gilt das mutige Auftreten von Hans und Sophie Scholl während ihrer Verhöre bis heute als ein Symbol für beispielhafte Zivilcourage. Auch im Angesicht des Todes bleiben die Geschwister charakterstark - und sowohl ihren Mitkämpfern als auch ihren Überzeugungen treu.

Gräber von Hans und Sophie Scholl sowie Christoph Probst auf dem Friedhof am Perlacher Forst,München.
Die Gräber von Hans und Sophie Scholl sowie Christoph Probst (rechts) auf dem Friedhof am Perlacher Forst in München.

"Ihr sollt nicht vergessen sein"

Am 22. Februar bezahlen sie dafür mit dem Leben. Gegen 17 Uhr werden Hans und Sophie Scholl im Strafgefängnis München Stadelheim mit der Guillotine enthauptet. Zuerst muss Sophie ihren Kopf unter das Fallbeil legen, dann ihr älterer Bruder. "Es lebe die Freiheit!", ruft er kurz vor seiner Hinrichtung. Gemeinsam mit den Geschwistern wird Christoph Probst getötet. Weitere Mitglieder aus dem innersten Kreis der "Weißen Rose" sollen folgen.

Doch das Gedankengut der mutigen Widerstandskämpfer wird auch danach noch weitergetragen. Gleichgesinnte Studenten veröffentlichen ein letztes Flugblatt im Namen der "Weißen Rose". Es gelangt bis ins Ausland: Im Dezember 1943 werfen britische Bomber das Flugblatt über Deutschland ab. Der Schriftsteller Thomas Mann würdigt die Widerstandskämpfer in einer nach Deutschland ausgestrahlten Ansprache in der BBC als Vertreter eines besseren, anderen Deutschlands: "Ihr sollt nicht umsonst gestorben sein, sollt nicht vergessen sein."

DAL, 22.02.2018
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