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Tuberkulose – noch lange nicht ausgerottet

Die Tuberkulose gilt als Schreckgespenst des 19. Jahrhunderts. Sie ist aber auch heute noch sehr verbreitet und schwer zu behandeln.

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Schwindsucht – Die Krankheit der Schönen und Intellektuellen

Zwar boten die widrigen Lebensumstände der unteren sozialen Bevölkerungsschichten der "weißen Pest" optimalen Nährboden, doch viel mehr Aufsehen erregten die zahlreichen Fälle der Künstler und Intellektuellen, die an Tuberkulose starben. Ob Chopin († 1849), Kafka (†1924), die Schriftstellerin Katherine Mansfield († 1923) oder die deutschen Dichter Christian Morgenstern († 1914) und Friedrich Schiller († 1805) – die Galerie der an Schwindsucht gestorbenen Künstler ist beeindruckend. So kam es, dass die Schwindsucht lange als Krankheit der Auserwählten galt. Blasse, ausgezehrte Genies und tragisch Liebende mit fieberglänzenden Augen – das war das ziemlich verklärte Klischeebild der Kranken. Auch in Romanen, Operetten und Theaterstücken wurde die Volksseuche abgehandelt. Bekanntes Beispiel dafür ist das Buch "Der Zauberberg" von Thomas Mann, im dem er über das Leben in einem Lungensanatorium in Davos schreibt. Hintergrund ist der reale Aufenthalt seiner an Tbc erkrankten Frau Katja in Davos. Und auch in der Malerei tauchte die Gestalt der todesnahen, vergeistigten Figur der Schwindsüchtigen auf – etwa in der "femme fragile" der Fin-de-siècle-Malerei. Und auch der norwegische Maler Edvard Munch thematisierte die Tuberkulose: Auf seinem Bild "Das kranke Mädchen" von 1885 stellt er ein tuberkulosekrankes Kind dar. Munch hatte einen traurigen persönlichen Bezug zur Schwindsucht: Im Alter von fünf Jahren hatte er seine Mutter und mit 14 Jahren seine Schwester durch die Krankheit verloren. Auch sein Vater starb 1889 an Tuberkulose. 
 
Bei der gängigen Idealisierung der Krankheit wurde leicht übersehen, dass die Tuberkulose in der Realität alles andere als romantisch ist. Ob es wirklich ein "schönes Sterben" voll Eleganz und Tragik ist, wenn man mit Schmerzen, blutigem Auswurf und Atemnot konfrontiert wird, darf bezweifelt werden.
 
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Raffaela Römer
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