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USA: Das Phänomen Trump

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"Niveau eines Fünftklässlers"

Aber sind die provozierenden, scheinbar unreflektierten und oft schlicht falschen Äußerungen Trumps Kalkül und bewusste Provokation – oder handelt es sich um echte Ausrutscher? Nach Ansicht von Stein ist häufig letzteres der Fall, denn Trump fehle es an politischer Intelligenz. "Ich glaube, dass nicht alles Strategie ist, sondern dass Trump ganz einfach an seine intellektuellen Grenzen stößt", meint der Amerika-Experte.

Tatsächlich ergab schon im Vorwahlkampf eine Analyse der Reden von Donald Trump: Er liegt auch sprachlich eher auf unterem Niveau.  Wie Forscher feststellten, liegt die Grammatik des republikanischen Kandidaten nur auf dem Niveau eines Fünftklässlers, seine Vokabeln entsprechen dem von Siebtklässlern.

Und auch inhaltlich hapert es: "Er hält es nicht lange durch, seriöse Reden zu halten, bis er wieder etwas politisch gänzlich Unkluges von sich gibt. Das kann strategisch nicht gewollt sein", sagt Stein. "Klar, wir müssen Trump ernst nehmen, aber ich glaube er wird sich vor der Wahl selbst sabotieren."

Wahl zwischen Pest und Cholera

Das bleibt zu hoffen. Denn viele US-Wähler sehen auch in der demokratischen Kandidatin Hilary Clinton keine wirklich gute Alternative. Für viele sei die Wahl zwischen Trump und Clinton eine Entscheidung zwischen Pest und Cholera, sagt Stein. Clinton gilt häufig als überambitioniert und machtorientiert, als Vertretern des politischen Establishments – was sie gerade für viele Angehörige der weißen Mittel- und Unterschicht eher zum Feind als zur Wunschkandidatin macht.

Und Clinton kann nicht automatisch mit den Stimmen der weiblichen Wähler rechnen, nur weil sie die erste Frau im Weißen Haus wäre. So einfach sei das nicht, sagt Stein. Besonders jüngere Feministinnen stellen sich eher gegen Clinton und sehen in Bernie Sanders Politik die bessere Alternative.

Und unter den Trump-Anhängern sind Frauen ebenfalls gut vertreten, selbst aus konservativ religiösen Kreisen – seltsamerweise. Denn Trump ist dreimal geschieden, offen frauenfeindlich und hat ein junges Model als Ehefrau, was eigentlich nicht ins Weltbild dieser Klientel passt. "Er bedient alle Klischees. Man sollte meinen, dass vor allem religiöse Gruppen das nicht akzeptieren, aber es scheint ihnen mehrheitlich egal zu sein", sagt Stein.

"Der Aufgabe nicht gewachsen"

Noch liegen die beiden Kandidaten nur wenig auseinander. Wie die US-Wahl ausgehen wird, werden wir daher vermutlich erst nach dem 8. November erfahren. Der Amerika-Experte Stein jedenfalls hofft auf einen Sieg von Hilary Clinton. Denn er ist sich sicher: "Falls Trump tatsächlich Präsident werden würde, dann wäre er dieser Aufgabe nicht gewachsen." Dafür fehle ihm die politische Praxis und die Erfahrung in der Innen- und Außenpolitik.

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