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Vereinigte Staaten von Amerika: Von der Reconstruction bis zum Ende des Kalten Kriegs

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In den letzten Jahrzehnten des 19. Jhs. setzte ein tief greifender Wandel in Wirtschaft, Sozialstruktur und Außenpolitik ein, der durch wechselseitig bedingte Prozesse in Gang kam: Ein überproportionaler Anstieg der Bevölkerung, den die Masseneinwanderung verursachte, trug die "Frontier" an den Pazifik, bis 1890 waren die letzten Gebiete erschlossen. Mit der Westwanderung und dem weiteren Ausbau der transkontinentalen Eisenbahnlinien (erste Ost-West-Verbindung 1869) wurden die letzten Indianerstämme ausgerottet oder in Reservaten zusammengedrängt.

Die hohe Einwanderungsquote führte zu einem Wachstum der Industrie, die einen gigantischen Binnenmarkt bediente und durch hohe Importzölle geschützt war. Die Städte wiesen ungeheure Wachstumsraten auf und waren Zentren des technologischen Fortschritts: So zählte Chicago 1840 etwa 4500 Einwohner; 1890 waren es über 1 Mio. Das Home Insurance Building 1885 war der erste Wolkenkratzer der Welt, und den Chicago-River bettete man mit umgekehrter Strömungsrichtung für die von 23 Mio. Menschen besuchte Weltausstellung 1893 kurzerhand um.

Die dynamische Entwicklung, von der insbesondere die Schwerindustrie profitierte, gefährdeten zeitweise konjunkturelle Einbrüche (1873-1878, 1882 bis 1885, 1893-1897), die die Kapitalkonzentrationen in Form von Trusts, Pools und Holdings noch verstärkten. Die Landwirtschaft hingegen erlebte eine von Verschuldung, Überproduktion und Absatzschwierigkeiten gekennzeichnete Strukturkrise. Diese gesamtwirtschaftliche Entwicklung öffnete die soziale Schere, so dass weite Bevölkerungsschichten verarmten. Soziale und ab 1900 durch Zuwanderung aus China auch rassisch geprägte Konflikte waren die Folge, die z. T. durch Truppeneinsatz blutig niedergeschlagen wurden.

Die US-Außenpolitik ging zur Jahrhundertwende in eine Phase des aggressiven "Dollarimperialismus" über, der mit einer Erweiterung des territorialen Geltungsbereichs korrespondierte. So ergriffen die USA die Gelegenheit, den kubanischen Aufstand von 1895 für ihre Zwecke auszunutzen und nach dem Spanisch-Amerikanischen Krieg 1898 das restliche spanische Kolonialerbe im karibischen und pazifischen Raum unter dem Deckmantel der Monroe-Doktrin anzutreten. Darüber hinaus erhoben die USA Anspruch auf einen mittelamerikanischen Kanal und begannen mit der wirtschaftlichen Durchdringung des gesamten lateinamerikanischen Marktes (u. a. durch die United Fruit Company), den sie von äußeren und inneren Einflüssen abzuschirmen suchten. Zahlreiche Interventionen in lateinamerikanischen Staaten bis in die 1920er Jahre bestätigten die Hegemonie der USA im amerikanischen Großraum.

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