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Angriff der Käfer

Die roten Wipfel in den Wäldern British Columbias sind nicht die Boten des Herbstes, sondern die des Todes. Eine reiskorngroße Kreatur, der Bergkiefernkäfer, hat die kanadische Holzprovinz mit einem Milliardenheer erobert. Es ist ein Wald aus toten Bäumen und es ist das Aus für viele Waldarbeiter, denn was bleibt, wenn alle toten Bäume gerodet sind? Gewaltige Maschinen haben die Kettensägen der kanadischen Holzfäller hier längst abgelöst. Denn es geht um Geschwindigkeit: Das Holz der abgestorbenen Bäume behält nur kurze Zeit noch ihren Wert für die Holzindustrie. Die Folge: Es wird zu Zeiten der Katastrophe mehr gefällt als je zuvor. Der Käfer hinterlässt deutliche Spuren an den toten Stämmen: Die blauen äußeren Ringe sind die Zeichen der Attacke. Der Bergkiefernkäfer und sein Verbündeter, der Bläuepilz, drosseln unter der Borke die Versorgungsleitungen des Baumes ab. Wissenschaftler erforschen schon einige Jahre das Verhalten der Käfer: Im Sommer attackieren zuerst die Weibchen die Bäume, die Männchen werden dann durch einen Duftstoff nachgelockt. Ist ein Baum erst einmal infiziert, beginnt ein echter Massenanschlag. Innerhalb weniger Tage rotten sich alle Käfer in der Umgebung zusammen und stürzen sich auf die Kiefern. Das Problem: Immer wärmere Winter sichern nicht nur das Überleben der Käfer in Regionen, wo sie früher erfroren wären, die warmen Temperaturen sorgen auch für eine explosionsartige Vermehrung der gefräßigen Kiefernkäfer. Durch die Borke fallen die Käfer ein und fräsen dann fressend Kanäle in das Holz. Für die Sägewerke bedeutet das: Ausgetrocknete und gesplitterte Stämme. Um das Holz überhaupt verarbeiten zu können, muss es neuerdings befeuchtet werden, bevor es im Sägewerk zugeschnitten werden kann. Alles läuft hier komplett elektronisch: Schadhafte, gespaltene Stämme werden registriert und ausgemustert. Die Holzqualität steht der der lebend gefällter Bäume nicht nach, heißt es. Allerdings gibt es deutlich mehr Ausschuss als früher. Und der Käfer greift immer jüngere Bäume an. Den Kanadiern bleibt nur stetiges Wiederaufforsten, doch für die Zukunft steht es schlecht um die Kiefernwälder in Britisch Columbia, wenn der Kieferkäfer sich hier weiterhin so gefräßig ausbreitet.

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