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Atomkraft - Ja bitte?

Früher lebte der Ökobauer Esa Aro-Heinila ganz nah an der Baustelle des neuen Atomkraftwerkes. Eine Initiative gegen den neuen Meiler wollte Esa starten. Als gerade mal 30 Leute mitmachten, wusste er, dass wegziehen für ihn die einzige Alternative ist. Esa Aro-Heinila, Atomkraftgegner: "Es gehört einfach nicht zum finnischen Charakter offen seine Meinung zu äußern. So jemand wird immer sofort als Fanatiker abgestempelt. Wir sind immer noch geprägt vom russischen Nachbarn. Wie in osteuropäischen Ländern ist es gegen den Mainstream schwierig." Neben zwei bestehenden Meilern auf der Halbinsel Oikiluoto wächst das neue Atromkraftwerk. Eines der ersten in Europa nach Tschernobyl. Dieser Reaktor soll der größte und Leistungsstärkste werden. Doch so einfach ist das nicht: Anfangs war der Beton porös und der Stahlmantel um den Reaktor falsch zusammengeschweißt. Rund 1.500 Fehler und Mängel hat die Aufsichtsbehörde hier bisher entdeckt, dennoch kaum Reaktionen in der finnischen Öffentlichkeit. Jukka Laaksonen, Generaldirektor Aufsichtsbehörde Atomenergie: "Ich denke in Finnland vertrauen die Menschen grundsätzlich mehr ihren Institutionen, auch uns, dass wir den Bau gut überwachen. Jeder weiß doch, dass es auf Baustellen zu Mängeln kommt, und wir klären die Dinge realistisch. Nicht so wie die deutschen Behörden, die Vorfälle manchmal gefährlicher schildern als sie wirklich sind." Die Menschen in direkter Nachbarschaft der Reaktoren scheinen tatsächlich zu vertrauen. Atomkraft ja bitte! VoxPop: "Oikiluoto bringt Jobs. Es soll ruhig noch weitere Meiler bauen, dass bringt Jobs. Nein, ich habe keine Angst davor, die wissen doch ganz genau wie man das Ding bauen muss. Das ist eine gute Sache, waren Sie schon einmal im Winter hier? Wir brauchen unseren eigenen Strom, was wenn die Russen uns plötzlich den Hahn abdrehen wenn es draußen minus 30 Grad sind." Noch mehr Meiler, das ist gar nicht so weit hergeholt. Die Stadt Rauma wetteifert schon jetzt mit zehn anderen Gemeinden um das nächste, das sechste Atomkraftwerk. Arno Miettinen, Bürgermeister Rauma: "Mit der Baustelle ist die Beschäftigung um 5 Prozent gestiegen, die Atomkraftwerke bringen auch viele ausländische Arbeiter in die Stadt, die hier eine Menge Euros ausgeben, die Meiler bringen uns Erfolg und Wohlstand." Atomkraftgegner gibt es auch, wenn auch wenige, wie den Ökobauern Esa. Er baut hier mit zehn Gleichgesinnten an seiner Zukunft. Einem Ökodorf mitten im Wald. Sechzig Hektar Land haben sie auf Kredit gekauft, eine alternative Kommune ist das Ziel. Esa tut das auch für seinen Sohn, der nicht in einer Stadt aufwachsen soll, in der sein Vater als Fanatiker gilt. Esa Aro-Heinila, Atomkraftgegner: "Ich hätte auch bleiben können, aber da hätte ich ein Leben lang gekämpft um Meinungen zu ändern, hier fangen wir etwas ganz neues an, etwas positives." Die Sauna ist schon fertig. Geheizt wird sie natürlich mit Holz. Auch Atomkraftgegener Esa hat sein Zuhause gefunden in einem Land, das sich zur Atomkraftenergie bekennt.

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