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Auf der Walz

David und Christian sind Zimmerleute und auf der Walz. So heißen die Wanderjahre der Gesellen, die in einer Zunft organisiert sind. Sie sind zu Fuß unterwegs oder per Anhalter. Sie haben kein Handy, wenig Geld und im Bündel nur das Allernötigste. "Natürlich ist das auch mit einer großen Anstrengung verbunden und man muss gucken, dass man einen Schlafplatz findet und so weiter und so fort und das Besondere ist aber doch wirklich die Einfachheit. Und alles, was wir haben, und alles, was wir zu verlieren haben, ist hier drin, das klaut auch keiner, wer will so ein Bündel klauen, da ist nichts drin, außer einem Hammer und ein bisschen Wäsche, wir haben nichts zu verlieren." Zur Walz gehört auch die traditionelle Kluft: das Manchesterjacket, der Schlapphut, Schlaghose und Zimmererweste. Neben dem Bündel darf auch der traditionelle Gehstock nicht fehlen. Der blaue Schlips verrät, dass David und Christian zu den Rolandsbrüdern gehören. Typisch ist auch der Ohrring, der ihnen bei der Aufnahme in die Zunft verpasst wurde. freistehend: "Das Ritual muss ein jeder über sich ergehen lassen, der auf Wanderschaft gehen will, das gehört einfach dazu und da wird ein Nagel durchs Ohr geschlagen und da kommt der Ohrring rein. Ist es so schlimm, wie es sich anhört? Bei den einen ja, bei den andern nein. Ich fand es nicht schlimm." 3 Jahre und einen Tag haben sich die Beiden freiwillig fremdschreiben lassen, so heißt es im Gesellenjargon. Die Welt steht ihnen offen, nicht aber die Rückkehr nach Hause. Die Gegend um ihren Heimatort dürfen sie nicht betreten. "Grüß Gott. Schönen guten Tag. Mein Enkel ist auch Dachdecker Der ist auch Dachdecker? Find ich schön, dass es so etwas noch gibt, ne? Dass die Tradition noch bleibt. Dann wünschen wir ihnen noch einen schönen Tag und eine gute Zeit, Tschüs." "Also die Älteren Leute, die lächeln und freuen sich meistens, wenn sie uns sehen und die jungen Leute, die halten uns für einen Schornsteinfeger und kommen her und reiben uns an den Knöpfen und an unserem Jacket oder zupfen uns an der Jacke und sage hui, das bringt jetzt Glück, das kommt richtig häufig vor." Rund 400 Gesellen sind derzeit auf der Walz. Sie müssen unter 30 sein, unbescholten, unverheiratet und schuldenfrei. Sie leben von der Hand in den Mund, wenn ihnen das Geld ausgeht, suchen sie Arbeit. Auch Christian und David helfen in Zimmerei-Betrieben aus. Die Wanderschaft hat sie beide verändert. "Man lernt eben die einfachen Dinge im Leben wieder zu schätzen, keine Ahnung, gut gelaunte Menschen, die kleinen Dinge im Leben, für die verliert man halt sonst schnell den Blick, wenn man im Wohlstand untergeht." Die Walz- eine Schule fürs Leben.

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