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Das Geheimnis der Korallen

Papeete auf Tahiti. Der Forschungstaucher Joel Orempuller bereitet sich auf seinen nächsten Tauchgang vor. Keiner kennt die Korallen vor Tahiti besser als er. Sein Zuhause ist die Lagune, doch er ist besorgt. Das Riff verändert sich, langsam aber sicher, so dass Experten wie er nur warnen können. In über 3000 Tauchgängen hat Joel Orempuller die Riffe fotografiert und dokumentiert. Die Veränderungen sind für ihn offensichtlich: Der Klimawandel macht den empfindlichen Organismen zu schaffen. Strömungen und Wassertemperatur zwingen die Korallen zur permanenten Anpassung. Die sensiblen Organismen leben in Licht durchfluteten Gewässern. Sollte der Meeresspiegel ansteigen, hätte das fehlende Sonnenlicht unabsehbare Folgen für die Riffe. Schlimmstenfalls könnten die Korallen absterben. "Die Korallen sind extrem empfindlich, schon eine Temperatur-Veränderung von 2-3 Grad reicht, dass sich der Zustand der Korallen deutlich verschlechtert. " Am Meeresforschungsinstitut Marum der Universität Bremen interessieren sich die Klimatologen besonders für den letzten großen Klimawandel. In Computermodellen versucht das Forscherteam zu simulieren, was dabei genau passiert ist. In ihre Szenarien fließen in die Analysen fossiler Korallen ein, die am Ende der letzten Eiszeit abgestorben sind. Ziel ist es zu verstehen, wie stark und wann der Meeresspiegel damals angestiegen ist. Der Grund dafür müssen ungeheure Eismengen gewesen sein, die binnen weniger hundert Jahre abgeschmolzen sind. Doch woher kam das Eis? Eine Spur könnte ein gigantischer Strömungskreislauf sein, der rund um den Globus läuft. Diese Wärmepumpe versorgt die Nordhalbkugel mit warmem Wasser aus tropischen Meeren. Die Forscher gehen davon aus, dass ungeheure Eismassen auf der Nordhalbkugel abgeschmolzen sind. Das Süßwasser ist dann über den Golf von Mexiko in das Meer geflossen. Die Folge: Der Golfstrom kam ins Stocken. Es hätte wieder kälter werden müssen auf der Nordhalbkugel. Und genau das macht die Forscher unruhig: Denn ihre Messungen besagen genau das Gegenteil. Es wurde nicht kälter, sondern wärmer. Prof. Michael Schulz, Klimaforscher:"Wir haben durch den Übergang von der letzten Maximalvereisung in die heutige Warmzeit ein Paradebeispiel dafür wie Eisschilde zerfallen. Und je besser wir das also in den Griff bekommen von der Rekonstruktion her und es dann auch schaffen, dass in Modellen nachzuempfinden, wie das passiert ist, dann haben wir natürlich ein größeres Vertrauen in diese Modelle um beispielsweise anzuschauen wie die Eisschilde sich in der Zukunft verhalten werden."Tahiti soll der Schlüssel zum Rätsel sein. Weit weg von den Eismassen der Nordhalbkugel sollen fossile Korallenbruchstücke den Forschern helfen, den Meeresspiegel-Anstieg von damals genau zu dokumentieren. Die Riffe sind das Gedächtnis der Ozeane, wenn wir ihr Geheimnis lüften, wissen wir, welche Auswirkungen der letzte große Klimawandel auf den Planeten hatte. Je genauer die Rekonstruktion der Vergangenheit, desto präziser die Vorhersage für die Zukunft der Riffe und Ozeane.

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