wissen.de
Total votes: 27
VIDEO

Der Drang nach Freiheit

Am Ende des kalten Krieges war der eiserne Vorhang durchlässig geworden. Zuerst hier, an der Österreichisch-Ungarischen Grenze. Die Menschen wollten sich nicht mehr in ihrem Land einsperren lassen. Erst waren es nur einige wenige, dann wurden es immer mehr.Und schließlich brach die Grenze des Schreckens zusammen die sich durch ganz Europa gezogen hatte und wurde schließlich niedergerissen. Kaum vorstellbar dass hier, auf den Höhenzügen der Rhön einst kein Durchkommen mehr war. Point Alpha heißt der ehemalige Grenzposten, der heute eine Gedenkstätte an die innerdeutsche Teilung ist. Die Amerikaner horchten hier im kalten Krieg mit einer Abhörstation in das Land des Feindes. Immer misstrauisch beäugt von den Ferngläsern der DDR Grenzer. Der Todesstreifen und der Kolonnenweg, auf dem die DDR-Grenzer patrouillierten, sind hier noch sehr gut erhalten.Heute werden hier Schülergruppen durchgeführt. Ehemalige DDR Grenzsoldaten erklären, was an diesem Ort bis vor zwei Jahrzehnten geschah. Die Meisten sind erst kurz nach der Wende geboren. Für sie ist selbst die jüngere deutsche Geschichte schon sehr weit weg. Selbstschussanlagen, Minengürtel und Stacheldraht, ein geteiltes Deutschland. Was damals traurige Realität war klingt in den Ohren der Schüler nur noch unglaublich. Das kann man sich gar nicht vorstellen, dass das hier früher in Deutschland so war, vor allen Dingen wenn man weiß - meine Familie war auch aus dem Osten - und man kann sich das gar nicht vorstellen, wie durch solche Grenzen Familien gespalten wurden. Man denkt sich: was ist das überhaupt, warum ist das so, das ist doch absolut absurd. Man kann sichs zwar vorstellen, aber warum das genau so war, das Menschen sowas machen können, das eigene Volk aussperren??? und dann in zwei Hälften teilen??? das ist nicht ganz so glaubhaft.Geschichte zum Anfassen. Die Schüler sollen einmal versuchen, über den hier noch erhaltenen Grenzzaun zu klettern. Keine Chance. Der Zaun ist zu engmaschig und zu hoch.An dieser Stelle versuchte auch Bernhard Fey "rüberzumachen". Das war an Heiligabend 1975. Für Bernhard Fey war das der entscheidende Moment in seinem Leben. Was, wenn damals alles anders gekommen wäre? Wenn sie es geschafft hätten? Zusammen mit einem Freund näherten sie sich dem Grenzzaun. Da lag der tödliche Minengürtel schon hinter ihnen. Die ganze Nacht waren sie hierher geschlichen. Sie waren der Freiheit schon ganz nah. Doch mit den Selbstschussanlagen hatten sie nicht gerechnet. Bernhard Fey ist heute schwer behindert, ein Bein gelähmt. Eine Folge der schweren Schussverletzungen von damals. "Ich hab mich dann an den Zaun so hergestellt und mein Kumpel ist wie bei einer Baumleiter auf meinen Rücken geklettert, und auf einmal wars für mich, als mach ich nicht mehr mit. Das war einfach, als wärs nur noch ein Film"Sein Bein wird von elf Metallsplittern zerfetzt. Fey kommt ins Krankenhaus, und später ins Gefängnis. Für zwei Jahre.US Soldaten beobachten den Fluchtversuch und hören die Schüsse. Sie vermuten: Fey und sein Freund sind tot. Sie errichten ein einfaches Holzkreuz, das bis heut an ihn und alle anderen Fluchtopfer erinnert.Es hat noch lange gedauert, bis Fey endlich frei war. Bis die Freiheit mit der Wiedervereinigung zu ihm kam. Gerade noch rechtzeitig für Fey. Und deshalb schaut er auch ohne Verbitterung zurück. Für ihn zählt die Zukunft. Auch, wenn er sein Leid und die Schrecken nicht vergessen kann. Man denkt nicht immer dran. Aber wenn so Situationen sind wie jetzt oder auch durch Filmberichte oder so, ist es halt so, dass man drüber nachdenkt.. Und grad weil mans selber erlebt hat und nicht nur erzählt gekriegt hat. Das macht die Freiheit wirklich kostbarer.Viele Wunden hat die deutsche Teilung gerissen. Die Lebensläufe vieler Menschen hat sie geprägt. Fluchtschicksale mitten im Europa des späten 20. Jahrhunderts.

Total votes: 27