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Die Normannenthese

Der Mönch Nestor schreibt im 11. Jahrhundert die Gründungslegende Russlands auf: ein Wikinger namens Rjurik soll seiner Beschreibung nach der erste Fürst Russlands gewesen sein. Eine unglaubliche, beinahe ketzerische Idee. Bisher belegen keine archäologischen Funde die Existenz Rjuriks. Aber Archäologen stoßen in Schweden auf Hinweise für eine Verbindung zwischen Skandinavien und Russland. Ein Wikinger als Staatsgründer Russlands? Historiker bezeichnen diese Annahme als Normannenthese. Volodymyr Kowalenko, Archäologe: "In der Sowjetunion hatte man den Normannisten das Wort entzogen. Heute bezweifelt dagegen kein seriöser Historiker mehr den Skandinavischen Ursprung der Rjurikschen Dynastie, die Wikinger waren bei der Staatsgründung von großer Bedeutung, in diesen Zeiten gab es keinen eisernen Vorhang, keine Grenzen, es war ein einziges, großes Europa, den Leuten war es egal, wo sie lebten." In Schweden finden die Archäologen eine Frauenleiche. Ihr Gesicht weist nach unten, so, als hätte man es in die Erde gedrückt. Damit die Frau für immer schweigt, fragen sich die Archäologen? Auffällig ist auch die Position ihrer Gliedmassen, die Arme sind auf dem Rücken gekreuzt. Vielleicht wurde die Tote gefesselt ins Grab gelegt? Dieser Fund gibt den Forschern viele Rätsel auf. Im Labor untersuchen Wissenschaftler einen Backenzahn der Frauenleiche. Er enthält Reste von DNA. Der Gencode soll die Herkunft der Frau zeigen. Die Ergebnisse sind eine Sensation: die Tote ist keine Skandinavierin, sondern sie stammt aus Russland. Referenzdaten aus dem Wolgaraum stimmen exakt mit denen der Frauenleiche überein. Der Beleg für die Normannenthese? Gab es ihn wirklich, den Wikinger, Rjurik der den Staat Russland gründete? Was trieb die Nordmänner nach Osten, eine Fahrt in weites, unbekanntes Land? Warum haben sie den gefährlichen Seeweg bis nach Russland auf sich genommen? Jewgenig Nosow, Archäologe: "Das ursprüngliche Motiv der Skandinavier hier her zu kommen war Silber. Sie wollten näher an die Quelle des Silbers heran, näher an den Handel, den Austausch mit dem Osten."Das Höhlenkloster in Kiew. In den unterirdischen Katakomben wurden Märtyrer und Heilige bestattet. Unter ihnen der Mönch Nestor. Nach seinem Tod führten Mönche die Chronik weiter. In dem Geschichtsbuch steht, hier sollen auch zwei christliche Wikinger bestattet sein. Vielleicht schließt sich hier der Kreis der Normannenthese.

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