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Die Wahrheit jenseits der Gene

Im Norden Schwedens hat der Mediziner Lars Olov Bygren eine Entdeckung gemacht, die unser Weltbild verändert. Den kleinen Ort Överkalix kennen heute Genetiker aus aller Welt. Denn was Bygren hier fand, verstößt gegen alles, was man über Vererbung weiß: Er geht davon aus, dass sich Erfahrungen wie Hungersnöte ebenfalls weiter vererben. Seit dem 19. Jahrhundert werden in Schweden Bevölkerungsregister geführt, in denen Geburten, Sterbefälle mit Todesursache, chronische Erkrankungen - aber auch Missernten oder besonders fruchtbare Jahre verzeichnet sind. Professor Bygren findet bei seinen Forschungen heraus, dass Menschen, die nach Hungersnöten geboren wurden, kleiner waren als der Durchschnitt - ein Befund, der aus anderen Regionen bekannt und nicht weiter aufregend ist. Doch seine weiteren Forschungsergebnisse sind anders als alles, was man bislang wusste: Die Ergebnisse besagen, dass wenn der Großvater gehungert hatte, sich das noch in der Enkelgeneration auswirkte. Und das ganz anders als erwartet: Der Hunger des Großvaters verlängert das Leben der Enkel, da sie widerstandsfähiger sind. Völlerei dagegen kann noch zwei Generationen später zu Diabetes führen. Der britische Humangenetiker Marcus Pembrey kommt in seinen Studien zu ganz ähnlichen Ergebnissen. Dennoch hagelt es Kritik: Marcus Pembrey: "Selbst als wir sehr eindeutige Daten hatten, haben alle wissenschaftlichen Zeitschriften unsere Ergebnisse zurückgewiesen. Sie haben sie nicht einmal an die Gutachter geschickt. Es hieß einfach das ist unmöglich." Die Theorie, dass sich auch Erfahrungen weiter vererben und das ohne Beteiligung der Gene, scheint den Grundsätzen der Evolutionslehre Darwins zu widersprechen. Auf den Galapagos-Inseln kam Darwin auf die Idee, dass neue Arten durch natürliche Auslese entstehen. Nach vielen Forschungsjahren veröffentlichte er sein Werk, dass unter anderem von einer Verwandtschaft zwischen Mensch und Menschenaffe ausgeht. Eine Erkenntnis, die damals die Weltsicht ins Wanken brachte. Seitdem galt als sicher: Umwelteinflüsse lassen sich nicht vererben. Erst die Beobachtungen von Bygren und Pembrey rütteln an diesem Dogma. Bleibt die Frage: Wie werden die Informationen von den Großeltern auf die Enkel übertragen, wenn nicht durch die Gene? Es scheint, dass Keimzellen Umwelterfahrungen speichern können und diese weitergeben, zusätzlich zum Erbgut. Das passiert zu dem Zeitpunkt, an dem sich erste Keimzellen bilden. Er ist im entscheidenden Alter. Beim Jungen werden die ersten Spermien kurz vor der Pubertät gebildet. Beim Mädchen beginnt die Entwicklung der Eizellen, wenn es noch ein Fötus ist, und setzt sich in den ersten Lebensjahren fort. Marcus Pembrey: "Alle haben immer gesagt, es kommt auf die Gene an, die DNA Sequenz bestimmt was vererbt wird. Wir haben gezeigt, das das nicht stimmt. Da ist noch etwas anderes." Und das ist das Vermächtnis unserer Vorfahren. So entsteht jenseits der Gene gerade ein ganz neues, revolutionäres Forschungsfeld.

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