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Eine Freiheitskämpferin führt uns zu den Schauplätzen des vietnamesischen Freiheitskampfes

Ein ganz normaler Morgen in Saigon, dem früheren Ho Chi Minh Stadt. Tran Ti Gung schlendert hier täglich über den Markt. Sie muss noch Suppengemüse für das Mittagessen einkaufen. Die Sechzigjährige lebt zusammen mit ihrem Mann und ihren Kindern in einem kleinen Haus in der Innenstadt. Alles scheint ganz friedlich zu sein. Doch der Schein trügt. Denn so, wie die alte Dame wirkt, ist sie nicht immer gewesen. Ihre Geschichte erfährt man sechzig Kilometer nordwestlich von Saigon. Den Duft von Schießpulver mag sie noch immer. (Ton: Schuss) Er erinnert Tran Ti Gung an die Zeit, in der sie noch ein junges Mädchen war - und eine Kämpferin. Als ihr Vater im Krieg gegen die Amerikaner gefallen war, schloss sie sich den Partisanen an - im zarten Alter von 16 Jahren. Gerade ist ein Buch über den Widerstand im Vietnamkrieg mit Fotos von ihr erschienen. Hier, wo Touristen heute für wenig Geld auf Blech-Ziele schießen, hat sie früher für ihr Land gekämpft. "Sie ist als Partisanin eine echte Berühmtheit. Wir alle hier in Kuji (gesprochen wie Fuji) sind sehr stolz auf sie." Während des Vietnamkrieges lebte Tran Ti Gung mit ihren Kameraden im Tunnelsystem von Kuji. Für die Augen von Fremden unsichtbar, organisierten die Vietnamesen hier unterirdisch den Widerstand gegen die Amerikaner. In einem Höhlen-Netz aus weitverzweigten Gängen wohnten die Partisanen auf drei Etagen in bis zu zehn Metern unter der Erdoberfläche. Die winzigen Zugänge waren durch Fallen gesichert. Heute sind die meisten Tunnel verfallen. Nur einige sind noch als Freilichtmuseum erhalten. An diesen demonstrieren Fremdenführer heute Touristen, wie der Einstieg durch die Luken samt Tarnung funktionierte. Tran Ti Gung erinnert sich noch gut an ihr Leben in dieser Zeit. Tran Ti Gung "Als ich zu den Partisanen kam, war ich noch klitzeklein, aber viel mutiger als die Männer. Hörte ich von einer bevorstehenden Schlacht, musste ich sofort dorthin. Ich protestierte, wenn man mir das verweigern wollte. Wo es brenzlig war, ging ich als Erste und die Leute folgten mir. Ich war ziemlich taff. Das war auch der Grund, weshalb sich keiner in mich verlieben konnte: Ich war zu hart." Heute hat auch Tran Ti Gung ihren Frieden gefunden. Mit ihrem Mann führt sie ein geordnetes und bürgerliches Leben.

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