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Erdbebenwarnung - Tierisch sensibel

San Francisco. Erdbeben passieren hier fast im Wochentakt, ein Eldorado für Erdbebenforscher. Allenfalls Beben ab Stärke 5 machen noch Schlagzeilen. Der Geologe Dr. Ulrich Schreiber ist hier her gekommen um das Verhalten von Ameisen unmittelbar vor einem Erdbeben zu beobachten. Zusammen mit einer Kollegin macht er sich auf die Suche nach Ameisennestern. In Sichtweite des San Andreas Grabens werden die Wissenschaftler fündig. Ein gut verborgenes Nest. Schreibers Theorie: Ameisennester bilden sich immer an Störungszonen der Erdplatte, also dort wo sich unterirdisch etwas zusammenbraut. Durch diese Risse und Verwerfungen der Erdkruste treten regelmäßig Gase aus. Stimmt die Prognose des Forschers, müsste sich am Ameisennest ein erhöhter Gaswert messen lassen. Und tatsächlich - das Nest ist auf einer Störungszone gebaut. Zufall oder Absicht? Dr. Stefan Hetz untersucht an der tierpsychologischen Abteilung der Humboldt Universität in Berlin die Sinne von Insekten. Mit einem speziellen Experiment will der Forscher herausfinden, ob die Ameisen Gase aus dem Untergrund tatsächlich erkennen. Ohne äußere Einflüsse verteilen sich die Ameisen auf dem Testfeld rein zufällig. Doch jetzt werden angewärmte Gase eingeleitet. Auf dem Testfeld herrschen nun fast die gleichen Bedingungen wie in freier Natur oberhalb einer geologischen Störungszone kurz vor einem Erdbeben. Wenn die Ameisen gezielt auf diese Veränderungen reagieren, könnten sie womöglich auch die Vorzeichen einer Erdbebenkatastrophe spüren. Und tatsächlich - die Ameisen orientieren sich zu den Gasaustrittsstellen. Dr. Stefan Hetz, Humboldt Universität Berlin "Wenn die Tiere irgendwelche Gase spüren, dann verharren die kurz. Die merken, da ist irgendwas und bleiben da kurz und das andere ist natürlich der Temperaturgradient. Die können kleinste Temperaturänderungen entsprechend wahrnehmen. Und wie diese Sachen eben zusammen hängen, dass werden wir in Zukunft erst noch erforschen müssen." Bislang geben die Ameisen den Forschern noch viele Rätsel auf. Das Verhalten muss in freier Wildbahn studiert werden. Nur so wird ersichtlich ob und wie die Tiere vor einem Erdbeben ihr Verhalten ändern. Dr. Ulrich Schreiber ist zu einer Langzeitbeobachtung aufgebrochen. Dazu braucht er eine fest installierte Kamera und Geduld mindestens bis zum nächsten Erdbeben. Doch die investiert er gerne auf der Suche nach einem tierischen Frühwarnsystem, denn damit ließen sich vielleicht entscheidende Minuten gewinnen. Minuten, die im Ernstfall Menschenleben retten.

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