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Fischsaurier

Im Nationalpark Torres del Paine im Süden Chiles. Der Tyndall-Gletscher schmilzt und legt so ein Stück Erdgeschichte frei. Die Wissenschaftler haben im Gestein die Überreste eines Meeresreptils gefunden. Nur das geübte Auge erkennt die Wirbelsäule des Fischsauriers. Der hintere Teil, das ist der Schwanz. Bei diesen Tieren, die in der Fachsprache auch Ichtyosaurus genannt werden, war er immer leicht gewölbt. Ein außergewöhnlicher Fund: Eberhard Frey, Paläontologe: "Ichtyosaurier in diesem Maße sind extrem selten auf der Welt. Es gibt in der Nähe von Stuttgart eine Fundstelle, die man als Ichtyosaurier-Friedhof bezeichnet. Wo mehrere Arten zusammen liegen. Aber das was hier liegt, das ist tatsächlich ne große Fläche, auf der mindestens 20 Ichtyosaurier rausgeschabt worden sind vom Gletscher und das ist einzigartig auf der Welt." So haben die Fischsaurier vermutlich ausgesehen. Im Schnitt vier bis fünf Meter lange Reptilien, die ausschließlich im Wasser lebten. Von ihrer Lebensweise ähnlich den heutigen Delphinen. Jeder Schritt kann wissenschaftlich interessant sein. Wolfgang Stinnesbeck und Eberhard Frey bewegen sich auf dem Grund eines wahrscheinlich 1.000 Meter tiefen urzeitlichen Ozeans. Auf dem sie sogar einen versteinerten Tannenzapfen finden. Eberhard Frey, Paläontologe: "Das ist dann wie ein Kriminalfall für uns. Wir setzen aus jedem einzelnen Pünktlein, aus jedem Fossil, können wir Schlüsse ziehen. Und die Gesamtheit aller Schlüsse, die ermöglicht es uns dann ein Bild zu entwickeln, wie dieser Meeresboden hier ausgesehen hat." Patagonien ist für Paläontologen eine wahre Schatzkammer. Riesige Saurier und versteinerte Urkrokodile haben Forscher hier schon entdeckt. Feldarbeit: Registrieren, vermessen, zeichnen. Jedes Detail ist wichtig, um Rückschlüsse zu ziehen. Im Gestein entdecken die Forscher die Leibspeise der Ichtyosaurier: Die Urform von Tintenfischen, ebenfalls gut 120 Millionen Jahre alt. Judith Pardo Perez, Paläontologin: "Die Tintenfische haben im Jura und Trias Zeitalter gelebt. Es muss damals plötzlich eine Öffnung gegeben haben im Sediment und dadurch sind sie auf den Boden gefallen. Die Öffnung hat sich geschlossen, die Platten haben sich verdichtet und so wurden sie mit der Zeit zum Fossil." Gibt es deshalb so viele Fischsaurier an diesem Ort, weil sie gemeinsam auf Beutezug waren? Doch woran sind sie gestorben? Die Paläontologen vermuten, dass sie durch von Erdbeben ausgelöste Schlammlawinen in die Tiefe und damit in den Tod gerissen wurden. In der Tat ein Wissenschaftskrimi mit noch vielen ungelösten Fragen. Viel Zeit aber bleibt den Forschern nicht. Der schmelzende Gletscher hat die Funde freigelegt, das Wetter aber lässt die Fossilien schon in ein paar Jahren zu Staub verwittern.

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