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Istanbul macht sich Erdbebensicher

Istanbul. Die Stadt der Gegensätze. Das Gestern und das heute leben hier nebeneinander. Die Vergangenheit und die Moderne prägen die Stadt zugleich. 13 Millionen Menschen leben hier. So schätzt man. Denn in den vergangenen vierzig Jahren ist die Stadt nicht gewachsen. Sie ist explodiert. Die Zahl der Einwohner hat sich mehr als verzehnfacht. Noch immer sind es jeden Tag bis zu 100 Bauern, die das Land Richtung Stadt verlassen. Die Behausungen - oft ein Provisorium. Mit den wenigen Mitteln gebaut. Ohne Fundament. Vor Jahren galt die Regel, wer über Nacht eine Hütte baut, dem gehört auch das Land dazu. So ist zu erklären, warum sich in Istanbul eine unfertige Behausung an die andere reiht. So provisorisch wie das Zuhause der vielen Millionen ist die gesamte Stadt. Er soll die Stadt retten: Der Architekt Hüseyin Kaptan soll in einem ersten Schritt überhaupt mal eine Bestandsaufnahme machen. Welche Häuser gibt es. Und wo. Es gab bislang keine Planung, kein Kartenmaterial. Er soll eine Vision entwerfen für das Istanbul der nächsten 30 Jahre. "Wenn sich die bisherige Entwicklung fort setzt, leben hier in 25 Jahren 25 Millionen Menschen. Wir werden das beobachten. Wenn wir unsere Regionalplanung verwirklichen, könnten wir vielleicht Erfolg haben und das Wachstum drosseln." (overvoiced) Die Planer haben sich in einem ersten Schritt den Bosporus vorgenommen. Die Meerenge kann schon heute den Verkehr nicht mehr bewältigen. Fähren. Schiffe. Boote. Auch die Straße, die über sie führt: Verstopft. Ein Tunnel soll die Lösung bringen. Doch auch das ist nicht ohne Risiko. Denn unterm Wasser lauert die Gefahr. Istanbul liegt in einem hochrisikoreichen Erdbebengebiet. Forscher aus der Türkei und Deutschland wollen mehr wissen über die versteckte Gefahr In den vergangenen hundert Jahren hat es immer wieder Erdbeben in der Türkei gegeben. Sie wanderten auf einer Linie immer westwärts. Immer näher an Istanbul. "Es gibt Studien, die besagen, dass wenn dieses Erdbeben auftritt, mit mindestens 50.000 Opfern zu rechnen ist und das Zehnfache nochmal an Obdachlosen dann zu beklagen wäre." Die Forscher wollen Daten sammeln: Wie bewegen sich die Platten? Was passiert unter der Erde? Denn die Forscher sind sich einig: Das Erdbeben kommt. Irgendwann in den nächsten 50 Jahren. Daran zweifelt niemand. Eine fatale Situation für die Mega City "Im Fall von Istanbul sind die Voraussetzungen schlecht für eine effektive Frühwarnung, da die Erdbebenzone nur etwa 20-30 km außerhalb der Stadt liegt. Das heißt, in dem Moment, wo das Erdbeben auftritt, haben sie nur etwa 8-10 Sekunden Zeit, bis zu dem Zeitpunkt, wo die zerstörerische Oberflächenwellen dann auch tatsächlich das Stadtzentrum erreichen." Das wird nicht ausreichen, um die Bewohner hier zu warnen oder gar in Sicherheit zu bringen. Es macht den Eindruck: Angst hat hier keiner. Man bleibt gelassen. Dennoch: Die Stadt arbeitet daran, die Infrastrukturen zu verbessern, die Häuser zu stabilisieren - um für den Fall der Fälle das Risiko zu begrenzen.

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