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Jungfraubahn in Gefahr

Permafrost ist der unsichtbare Kitt, der Berge ab 2.500 Meter Höhe versiegelt wie Beton. Doch nun ist auch der Permafrost von der Klimaveränderung betroffen. Die Berge werden brüchig.Das Jungfrau-Eiger-Massiv in der Schweiz. Dort stehen sämtliche Gebäude auf Permafrostboden. Das Problem: Verändert sich der Permafrost, bewegt sich der Untergrund und was auf ihm steht ebenfalls. Hans-Rudolf Keusen ist einer der führenden Experten der Schweiz, wenn es um Felsstürze und Murenabgänge geht und er ist verantwortlich für die Sicherheit der Jungfraubahn, eine Touristenattraktion. Die Zahnradbahn führt hinauf aufs Jungfraujoch. Unterwegs macht die Bahn halt. Direkt in der Eiger Nordwand ist ein kleiner Bahnhof, hier sind Fenster in die Bergwand gesprengt. Für Keusen sind die Eiger-Fenster seine erste Kontrollstation auf dem Weg zum Jungfraujoch. Das Problem: Wird der Berg zu brüchig, gerät die Jungfraubahn in Gefahr. Regelmäßig steigt er aus den Fenstern und misst mit einem Geologenkompass die Breite und Tiefe der Risse im Felsen. Diese kommen immer häufiger vor, seit die Eigernordwand nicht mehr komplett mit dem schützenden Dauereis bedeckt ist. Hans-Rudolf Keusen, Geologe:"Seit einiger Zeit, in Folge der Klimaerwärmung, sind diese Eisfelder weg und Wasser kann nun in den Fels eindringen. In diese vertikalen Spalten. In der Folge kann das Wasser den Fels von innen sprengen. Und das ist natürlich hier in der Eiger-Wand, wo diese Fenster sind, sehr wichtig, dass ich das kontrolliere." Auch das Tunnelsystem der Bahn wird von Keusen überwacht. Vor allem die Pfeiler müssen sicher auf dem frostigen Boden stehen. Jedes Jahr im Sommer, wenn das Eis auf den Felsen taut und Wasser eindringen kann, werden die Pfeiler durch den Wasserdruck deformiert und verlieren so an Kraft. In den Wänden sitzen Messstäbe aus Metall. Mit einem Mikrometer prüft der Geologe regelmäßig, ob sie sich verschoben haben. Die Pfeiler wurden bereits mit dickem Beton verstärkt. Überall in den Alpenländern, nicht nur in der Schweiz, stehen Bahntunnel und Seilbahnmasten im Permafrost. Ob im oder am Berg, der Rückgang des Permafrostes wirkt sich aus. Hans-Rudolf Keusen, Geologe: "Wir sind jetzt hier quasi im Gebirge drin, was zusammengestaucht wird durch den Wasserdruck und draußen bei Seilbahnmasten sind es eher die Kriechbewegungen in Folge des Permafrostes, die dann Sorge bereiten und überwacht werden müssen." Dank ständiger Kontrollen sind die Touristen im Jungfrau-Eiger-Massiv weiterhin sicher. Die Bauten der Zukunft müssen allerdings ganz anders beschaffen sein, wenn sie langfristig nutzbar sein sollen.

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