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Konkubine an der Macht - die letzten Tage von Peking

China Mitte des 19. Jahrhunderts- eine Weltmacht erstickt im höfischen Zeremoniell. Jedes Wort, jeder Schritt des Kaisers ist festgelegt und wird von Beobachtern am Verhalten seiner Ahnen bemessen. Opfergaben und das Gebet im Tempel des Himmels gehören zum täglichen Ritual, denn schlechte Ernten, Naturkatastrophen oder innere Unruhen sind Zeichen dafür, dass der Kaiser die Zustimmung der Ahnen verloren hat, es droht das Aus für die Regentschaft. Statement: Klaus Jürgen Ganzel Friedensforscher "Auch der mächtigste Herrscher der Kaiser von China, brauchte, wie die feudalen Herrscher des Westens auch, eine unangreifbare Instanz, auf die er sich berufen konnte. Als Sohn des Himmels war ihm sein Mandat jedoch nur geliehen. Er konnte es auch wieder verlieren." 1853 scheint es, als habe der Kaiser sein himmlisches Mandat verloren. Schon sechs Jahre wartet der Hof vergeblich auf die Geburt des Thronfolgers. Wollen die Ahnen die Dynastie der Mandschuren beenden? Doch da erbarmt sich der Himmel: An einem Herbstabend begeben sich die Hofdamen in das Gemach einer jungen Konkubine. Die Nebenfrau des Kaisers wird auf ihre erste Nacht mit dem mächtigen Herrscher vorbereitet. Man nennt sie hier nur Yehe Nara, nach dem tapferen mandschurischen Adelsgeschlecht von dem sie abstammt. In die Geschichte wird sie aber eingehen als Cixi - die Konkubine auf dem Drachenthron. Die Vorbereitungen folgen dem strengen Jahrtausende alten Zeremoniell. Der Obereunuch des Reiches hat die Konkubine ausgesucht. Völlig unbekleidet wird sie in ein Seidentuch gehüllt und zum kaiserlichen Schlafgemach getragen. Ihre Füße dürfen den Boden nicht berühren. Alle Gesten und Worte unterliegen genauesten Vorschriften. Viele Gebote, an die sich die Konkubine zu halten hat. Vor allem eines ist streng untersagt: Sie darf dem Himmelssohn nicht ins Gesicht sehen. Diese Nacht wird das Leben der Konkubine komplett verändern und auch die Machtverhältnisse im Reich der Mitte: Neun Monate später schenkt die Nebenfrau des Kaisers einem Sohn das Leben und wird damit zur Retterin der Dynastie der Mandschuren. Doch ihre Große Stunde kommt erst Jahre später. Als der Kaiser im Sterben liegt, kann sie ihn überzeugen, dass nicht seine Brüder die Macht übernehmen sollen, sondern das sie, mit dem gemeinsamen Sohn auf den Drachenthron gehört. Eine Entscheidung mit Folgen: Die ehemalige Konkubine wird zur einflussreichen Herrscherin. Für die Beamten bei Hof ist das ein Traditionsbruch von unvorstellbarem Ausmaß. Eine Frau erhält ab sofort das kaiserliche Siegel, dies kann über Leben und Tod entscheiden, eine Laune in ein Gesetz verwandeln, das tägliche Leben über Nacht verändern. Cixi gehört nun der Drachenthron. Damit sind die letzten Tage des Imperiums gezählt.

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