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Kriminalfall Reichstagsbrand

27. Februar 1933. Der Reichstag brennt. Marinus van der Lubbe soll der Brandstifter gewesen sein, ein Einzeltäter. Der Historiker Alexander Bahar und der Physiker Wilfried Kugel entdecken Unstimmigkeiten in der Theorie. Anlass genug, das Verbrechen noch einmal zu rekonstruieren. Durch das Fenster dort am Ende der Abgeordnetenlobby soll van der Lubbe in den Reichstag eingestiegen sein. Schon hier finden sie die erste Unstimmigkeit. Dr. Alexander Bahar, Historiker und Publizist "Das Bild zeigt das Bild im Reichstagsrestaurant durch das die Feuerwehr eingestiegen ist. Interessante ist das in diesem Bild das Fenster nebenan, durch das Van der Lubbe eingestiegen sein soll nicht zu sehen ist. Und interessant ist auch, dass wir kein einziges Fenster gefunden haben, dass dieses Fenster zeigt." Die entscheidende Frage aber: Konnte van der Lubbe, der nachweislich bis zu seiner Festnahme nur 15 Minuten im Reichstag verbrachte, das Gebäude ganz allein in ein flammendes Inferno verwandeln? Bahar und Kugel planen ein Experiment. Dr. Alexander Bahar, Historiker und Publizist "Und bitte los geht's." Den Weg, den van der Lubbe im Reichstag zurückgelegt hat, soll hier Bahars Assistent gehen. Dr. Alexander Bahar, Historiker und Publizist "An dieser Stelle betrat van der Lübbe das Erdgeschoss und trat eine Galstür ein." Die Polizei hatte van der Lubbes Weg anhand vieler Spuren rekonstruiert. Die Analyse der Akten gibt das Tempo vor. Dr. Alexander Bahar, Historiker und Publizist "Halt hier hat van der Lübbe gezündelt. Auf jeden Fall gab es hier eine Brandstelle." 5 Minuten braucht die Testperson bis zum Plenarsaal. Die Materialien der Kulisse entsprechen der damaligen Ausstattung des Reichstags. Dr. Alexander Bahar, Historiker und Publizist  "Also laut den vorliegenden Vernehmungsprotokollen hat van der Lübbe als er in den Plenarsaal kam bereits alle Kohlenanzünder verbraucht. Er hat dann im Plenarsaal mit seiner Jacke den Vorhang angezündet und will dann mit dem brennenden Vorhang den gesamten Plenarsaal in Brand gesetzt haben." Kann das gelingen? Schon das Anzünden einer Jacke, wie sie van der Lubbe getragen hat, dauert. Der Vorhang, wie die Originale aus plüschigem Samt, lässt sich so überhaupt nicht anzünden. Die Minuten verrinnen; 15 Minuten sind lange vorbei, die Zeit für das eigentliche Experiment ist abgelaufen.  Dr. Alexander Bahar, Historiker und Publizist "Also aus unserer Sicht ist damit bewiesen, dass van der Lubbe in der ihm zur Verfügung stehenden kurzen Zeit und mit diesen Brandmitteln nicht in der Lage war den Plenarsaal in ein Flammenmeer zu verwandeln." Stattdessen ein flammendes Inferno aus dem Chemielabor? Weißer Phosphor  - ein Teufelszeug. Wenn er einmal brennt, ist er kaum zu löschen. Im Plenarsaal wurden damals Rückstände von weißem Phosphor, Petroleum und Schwefelkohlenstoff gefunden.  In den Verhandlungen aber wurde diesem Gutachten nie Beachtung geschenkt.   Im Labor bauen wir genau diese Kombination, der im Plenarsaal gefundenen  Chemikalien  nach - eine explosive Mischung.   Als der Chemiker die Phosphorlösung auf das petroleumgetränkte Tuch gibt, hat er einen chemischer Zeitzünder vor sich liegen.   Das Lösungsmittel verdunstet sofort und gibt den Phosphor frei.  20 Minuten später, die Brandstifter hätten längst ein Alibi, zündet der Phosphor. Mit diesem Zünder brennt auch die Plenarsaal-Kulisse lichterloh. Für die Forscher ist der Kriminalfall "Reichstagsbrand" geklärt. Für sie war Van der Lubbe war nicht der Brandstifter.

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