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Offshore-Pipeline

Norwegen 1997. Geologen entdecken auf der Suche nach neuen Öl- und Gasfeldern vielversprechende Strukturen vor der Küste von Kristiansund. Eine riesige Gas-Lagerstätte. Ormen Lange. Das Feld liegt 3.000 Meter unter dem Meeresspiegel, davon 2.000 Meter tief im Gestein des Meeresbodens. Das Gas zu fördern und von Nyhamna in Norwegen über 1.200 Kilometer ins englische Easington zu transportieren - eines der gewaltigsten Projekte unserer Zeit.Bevor das Gas in die Pipeline nach England geschickt wird, muss es aus seinem tiefen Versteck geholt und an Land aufbereitet werden. Nach etwa 100 Kilometern erreicht die Pipeline Nyhamna in Norwegen. Spezielle Verfahren komprimieren hier das Gas, damit es auf dem Rest der Reise weniger Platz benötigt. Das Konzept bei Ormen Lange ist anders, als bei allen anderen Offshore gelegenen Energiequellen: Es gibt keine Plattform über der Wasseroberfläche. Das Gas wird direkt aus dem Meeresboden gefördert - aus Kostengründen. Der Bau einer Offshore Pipeline von 1.200 Kilometern: Wenn das erste Rohr zu Wasser gelassen wird, ist das immer ein besonderer Moment. Spezielle Verlegeschiffe wie die "Solitaire" sind wie eine Fabrik auf See. Die Versorgungsschiffe bringen ständig neue Rohre, denn Pipelines verlegen ist Fließbandarbeit. Die Spezialkräne der "Solitaire" können bis zu 65 Tonnen tragen.Im Inneren des Schiffes geht es zu wie bei der Massenproduktion von Kraftfahrzeugen. Rohr um Rohr wandert in den Schiffsbauch und wird vorbereitet. Die Arbeiter schweißen die Rohre an Ort und Stelle aneinander. Der Vorgang dauert nur wenige Minuten. Die Rohre werden von innen und außen zugleich geschweißt. Sieben solcher Schweißstationen an Bord sorgen für ordentlich Tempo. Ein Transportband schiebt das Rohr weiter zur nächsten Station. Dort wird die Schweißnaht gekühlt, bevor die Arbeiter ein Ultraschallgerät anlegen, das die Stelle vollautomatisch auf etwaige Risse oder Undichtigkeiten prüft. Eine Art Schutzanstrich versiegelt die Naht, bevor das Rohr zum letzten Kontrollpunkt läuft. Hier bekommt die Schweißnaht noch einen Schutzmantel und verschwindet samt Rohr auf immer und ewig in den Tiefen der Nordsee. Nur etwa drei Minuten dauert es, bis ein neues Rohr im Wasser versinkt. Im Schnitt wandern so etwa 5 Kilometer Pipeline am Tag nach unten, der Rekord der "Solitaire" liegt bei 9 Kilometern. Pipelines verlegen ist Millimeterarbeit. Ein satellitengesteuertes Positionierungssystem sorgt dafür, dass die Rohre ihr Ziel nicht verfehlen. Im Oktober 2007 startete die Produktion in Ormen Lange. Für die 1.200 Kilometer Strecke, die die Pipeline bis nach England zurücklegt, benötigte es 100-tausend Rohrstücke, das entspricht 1 Million Tonnen Stahl.

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