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Patagonien - Land und Leute

Nördlich der Magellanstraße befindet sich ein Flecken Erde, der vor allem durch eines geprägt ist: Rauer Wind. Es ist die Sturmlandschaft Patagonien. Stürme peitschen hier mit hohen Geschwindigkeiten über das Meer und die Ebene. Die windzerzauste Gegend ist staunenswert, aber ungemütlich und menschenleer. Nur die Wenigsten halten es hier aus. Weit verstreut leben Farmer auf ihren Estanzias, wo sie Schafe, Kühe, und Pferde züchten. Es ist eine Männerwelt - eigentlich... Aber der Boss auf der Estanzia Violetta ist eine Frau: Ancheilka a la Chon. Sie besitzt über fünftausend Schafe. Mit ihrem Vorarbeiter Manuell treibt sie einige von ihnen zusammen. Damit keine Krankheiten ausbrechen müssen die Tiere regelmäßig geimpft werden. An diesem Morgen ist eine kleine Herde von 300 Schafen an der Reihe. Anchelika weiß, dass das Leben hier draußen ein beschwerliches ist - nicht nur wegen des immerwährenden starken Windes. Anchelika "Wir haben immer die gleichen Probleme hier. Der Puma holt sich andauernd Schafe. Aber nicht nur vierbeinige Räuber gibt es - auch zweibeinige Diebe - wirklich bitter." Nach ihrer Geburt bekommen die Tiere Kerben in die Ohren - zur leichteren Identifikation. Anchelika "Die Kerben in den Ohren links zeigen an, welches Schaf zu welcher Farm gehört - die Kerben im rechten Ohr wie alt die Tiere sind. So ist es einfacher für uns. Sonst müssten wir das Alter am Gebiss der Tiere ablesen." Das dauert den ganzen Vormittag. Schluckimpfen, Schafe sortieren, zählen und das Ganze immer wieder von vorn. Da ist Durchhaltevermögen gefragt. In der Mitte des Zwanzigsten Jahrhunderts boomte die Schafzucht und das Geschäft mit ihrem Fell. Doch über die Jahre fiel der Preis für Wolle und Fleisch immer tiefer. Viele Farmer mussten ihre Estanzias verlassen, weil sich die Schafzucht kaum noch lohnt. Im Durchschnitt leben heute nur noch zwei Einwohner auf einem Quadratkilometer in Patagonien. Aber Angelicha a la Chon gibt nicht auf und macht weiter. Ihre Arbeit liegt ihr sehr am Herzen. Doch nach einem anstrengenden Tag freut sie sich auch sehr auf zu Hause. Früher lebte sie mit ihrem Mann hier, doch seitdem dieser gestorben ist, muss sie alleine zurechtkommen. Manchmal fühlt sich Anchelika einsam hier draußen, aber trotzdem will sie nicht fort. Sie liebt ihren Beruf und ihre Umgebung einfach zu sehr. Dann sitzt sie bei einem Gläschen Wein in ihrem Wohnzimmer und genießt die Ruhe und den schönen Ausblick - auf die stürmische Landschaft Patagoniens.

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