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Reetdachhäuser

An der Weser wächst der Rohstoff, mit dem im Norden seit Jahrhunderten Dächer gedeckt werden. Die Nordsee ist nur noch 15 Kilometer entfernt. Das Schilfrohr gedeiht unter Salzwassereinfluss. Das macht den Halm stabil und krümmt ihn ganz leicht. Gut, wenn es später auf dem Dach liegt, da fließt der Regen besser ab als von schnurgeraden Halmen. Früher wurde mit der Sichel geerntet, heute gibt es hydraulische Maschinen, die den Männern die Arbeit erleichtern. Sobald die Halme getrocknet sind, können sie auf dem Dach weiter verarbeitet werden. Ein Zimmermann hat auf den alten Eichenbalken frische Latten befestigt. Die Reetdachdecker können nun den schmucken gelben Naturschmuck aufbringen. Ein Reetdach in dieser Größe kostet um die 30.000 €Euro und benötigt etwa 15 Tonnen Schilf. Doch wie hält der Halm am Brett und wie wird alles gerade und geordnet? Von unten fangen sie mit dem Styling an. Das Schilfrohr wird mit einem Klopfer frisiert. Erstmal wird das Schilf drapiert. Dann Lage um Lage festgenäht mit rostfreiem Draht. Reet decken ist ein bisschen wie Teppich knüpfen. Auf jede Latte kommt ein 5 Millimeter dicker Draht, an ihn mehrfach Knoten mit dünnerem Draht, die einen regendichten Teppich entstehen lassen. "Und das Wasser wenn das drauf tropft hier, das tropft immer nach außen und läuft von einem Stoppel zum nächsten Stoppel. Und da läuft das immer weiter nach unten hier. Es geht nicht innen rein. Es sackt nicht rein. Das ist eben und um so steiler das Dach ist, um so besser ist es. Je schneller läufts ab." Viele Reetdachdecker benutzen den sogenannten Rüttler. Ein Wunderwerkzeug, das den Draht so festzurrt, dass kein Orkan ihm etwas anhaben kann. Ein Reetdach sieht von außen gemütlich aus, doch wie fühlt es sich von Innen an? Wohnt es sich anders als in einem Ziegelhaus? "Ja Sie hören zum Beispiel nicht den Regen oder Gewitter, wenn das so ist. Da muss es schon sehr laut sein. Keinen Wind. Komm raus, Oh Gott es hat geregnet. So ungefähr. Wie in den normalen Backstein-Ziegelhäusern, wo der Wind in den Dachpfannen rüttelt. Das gibt's hier überhaupt nicht. Hören sie gar nichts. Ne. Auch wenn hier ein Bus vorbeifährt. Weil keine Widerstände sind. Das hören wir nicht. Es ist absolut still." Wind und Regen können dem Reetdachhaus nichts anhaben, Moos dagegen verwandelt das Dach schnell in einen Misthaufen und auch vor dem Marder müssen Reetdachbesitzer sich schützen, denn die fressen sich mit Vorliebe durch die Halme. Wer aber die natürlichen Feinde des Reetdachs besiegt, kann sich über viele Jahre sehr wohl fühlen unter dem Naturdach.

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