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Sprengstoff

In diesem Felsstollen lagert hochbrisantes Material. Jede der neun Kammern birgt bis zu 20 Tonnen Sprengstoff. Zusammen der Jahresverbrauch eines Steinbruchs. Genug Vorrat für Kunden in ganz Europa. Wer hier arbeitet, braucht starke Nerven. Dr. Gregor Englmayer: Er trägt die Verantwortung in der Fabrik, deren Bunker und Labors in einem abgelegenen Tal in Österreich liegen. Jeden Morgen kontrolliert der Chemiker höchst persönlich die heiklen Produktionsanlagen. Denn die Sicherheit geht vor. Hier drin ist bei jedem Handgriff Vorsicht geboten. Kleinste Fremdkörper in der rosafarbenen Masse könnten unkontrollierte Explosionen auslösen. Denn die sogenannte Sprenggelatine enthält hochexplosives Nitroglycerin.Die Maschine ist so gebaut, dass die scharfkantigen Metallelemente nicht aufeinander treffen. Zu starke Stöße oder Reibung könnten die Masse zur Explosion bringen. Eingesetzt wird der Sprengstoff ausschließlich für zivile Zwecke. Maßgeschneidert für den Bau von Tunnels und Straßen, in Steinbrüchen und im Bergbau. Dr. Gregor Englmayer: "„Mit Sprengstoff zu arbeiten, ist sicherlich ein Abenteuer. Es ist ein Job, wenn man anderen Leuten erzählt, was man macht, wo die erstmal sagen, Woah ist das gefährlich. Natürlich birgt der Umgang mit solchen Stoffen besondere Gefahren. Wir beherrschen sie aber seit Jahrzehnten, seit Jahrhunderten muss man fast sagen." Nitroglycerin -– Mit der Erfindung dieser hochexplosiven Substanz hat vor fast 150 Jahren alles angefangen. Doch das Sprengöl hat einen entscheidenden Nachteil. Es ist so extrem empfindlich, dass es kaum handhabbar und für jeden eine Bedrohung ist, der seine Wirkung nutzen will. Zu den Pionieren, die mit dem brisanten Stoff experimentieren, gehört Alfred Nobel. Er bindet das Nitroglycerin an einen Trägerstoff und macht es so unempfindlicher. Nobel erfindet das Dynamit. Ein Sprengstoff, der die Welt verändert. Chemiker Englmayer mit seinen Sprengtechnikern. Ihr neuester Auftrag lautet: Einen maßgeschneiderten Sprengstoff für den Bau eines Tunnels zu entwickeln. Die Explosionswirkung muss exakt auf Geologie und Gestein zugeschnitten sein. Alles muss genau voraus berechnet werden. Die Entwicklung im Labor kann beginnen. Die Experten haben sich für einen Sprengstoff der neuen Generation entschieden. Einen Emulsions-Sprengstoff. Unempfindlich gegen Hitze und Erschütterung. Aus Nitratlösung, Wachs und Parafin schaffen die Chemiker zunächst die Trägermasse. Noch kann nichts hochgehen. Die Herstellung von Sprengstoff setzt jahrelange Erfahrung voraus. Nichts dürfen die Chemiker dem Zufall überlassen. Zusammensetzung, Dichte, Temperatur, Sauerstoffbilanz – es kommt auf jedes Detail an. Dann der entscheidende zweite Schritt – Natriumnitrit wird beigemischt. Jetzt hat es die Mischung in sich. Jede Unachtsamkeit, jeder Fehler in der Dosierung kann zur Gefahr werden. Die Profis kennen die Risiken. Bilden sich Gasbläschen aus Stickstoff ist es so weit. Das Mikroskop beweist es: Zahl und Stärke der Bläschen zeigen, dass der Sprengstoff die gewünschte Schlagkraft hat. Bevor die Produktion beginnt, ist ein erster Test Pflicht. Hat der maßgeschneiderte Sprengstoff aus dem Labor tatsächlich die vorherbestimmte Explosionskraft? Die Laboranten setzen die Ladung in das zentnerschwere Pendel ein. Mit einem Maßband wird dann der Ausschlag und damit die Explosionswirkung bestimmt. Eine simple Methode. Schon zehn Gramm Sprengstoff entwickeln eine gewaltige Schlagkraft und lenken das Stahlpendel um einen Meter aus, so, wie es die Entwickler vorher gesagt haben. Jetzt erst kann die Produktion beginnen. In dem für das Projekt berechneten Kaliber gehen die Patronen tonnenweise vom Band. Dr. Englmayer wirft einen letzten prüfenden Blick auf die Trägermasse. Das Anreichern mit Stickstoff, also die gefährliche Phase, erfolgt erst unmittelbar bevor die Masse in die Schläuche gepresst wird. Sekunden später sind die Patronen scharf. Das Gefahrenpotenzial der harmlos aussehenden Würste ist bestenfalls zu ahnen. Englmayer und seine Techniker sind zufrieden. Ein letztes Mal gehen sie den Sprengplan am Computer durch, bevor er vor Ort auf das Gestein übertragen wird. Schwere Maschinen bohren die Löcher für den Sprengstoff. Die Verkabelung der Ladungen erfolgt so, dass mit minimaler Zeitverzögerung gezielt von innen nach außen gesprengt wird. Erst nach der Zündung wird sich zeigen, ob das Konzept, das am Computer und im Labor entwickelt wurde, auch wirklich funktioniert. Denn keine Sprengung ist wie die andere. Nur eines ist sicher: Auf das Sprengteam von Englmayer warten noch viele Herausforderungen.

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