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Torre Mayor

Mexico City. Die Millionenmetropole wächst in die Höhe. Wolkenkratzer dominieren die Skyline. Mitten drin der "Torre Mayor" - ein Turm der Superlative. Mit 225 Metern ist der Wolkenkratzer das höchste Gebäude Mexikos. Ein waghalsiges Bauprojekt auf unsicherem Grund: 1985 forderte ein Erdbeben hier über 9000 Tote. Dabei lag das Epizentrum des Bebens fast 400 km von der Stadt entfernt. Doch der Untergrund im Zentrum der Millionenmetropole scheint Erdbeben noch zu verstärken. Der Grund: Die Stadt wurde einst inmitten eines trocken gelegten Sees gegründet. Am Zentrum für Katastrophenschutz untersucht man seitdem Sedimente aus allen Teilen der Stadt. Dichte, Wassergehalt, Zusammensetzung - eine komplexe Rechnung, die einiges aussagt über die Leitfähigkeit des Bodens. Geologen gingen immer davon aus, dass der weiche Untergrund Erdbeben eher abschwächen würde, doch nach neuesten Erkenntnissen ist es genau umgekehrt. Leobardo Dominguez, Zentrum für Katastrophenschutz, Mexiko City "Mexico Stadt liegt auf einem Seengebiet, es gibt Schichten von weicher Tonerde, bis 30 Meter tief. Wenn die seismischen Wellen diese Ablagerungen erreichen und auf die Oberfläche übertragen werden, beginnt die ganze Schicht zu schwingen. Ein dynamischer Effekt, der die Erdbebenwellen verstärkt." Als es 1985 zum Erdbeben kam, schwächten sich auf dem Weg ins Landesinnere die Wellen in der Tat erst einmal ab. Doch dann trafen sie auf den sandigen Untergrund des einstigen Sees im Zentrum von Mexiko-Stadt. Dort regten die Erdbebenwellen die Sedimentschichten zum Schwingen an. Das Resultat: Die Kraft des Bebens verstärkte sich. Dieses Phänomen wird der "Mexiko-City-Effekt" genannt. Hightech gegen die Naturgewalt. Riesige Stoßdämpfer sichern heute Wolkenkratzer wie den "Torre Mayor" gegen Erdbeben. Das Geheimnis der Stabilität liegt in ihrem Inneren. Das Material mit dem sie gefüllt sind muss einiges aushalten: Douglas P. Taylor, Ingenieur: "Wir verwenden Silikon. Das Silikon ist farblos, geruchlos, geschmacksneutral und es brennt nicht. Die Flüssigkeit, die wir benutzen, kann man sogar essen." Dank dieser Technik kann selbst auf sandigem Grund in den Himmel gebaut werden. Der "Torre Mayor" ist um eine komplexe Anordnung von übergroßen Stoßdämpfern konstruiert. Das Gebäude ist eine statische Meisterleistung. Den Kern des Hochhauses sichert ein Gerüst aus 74 Dämpfern. Verankert ist der "Torre Mayor" mit 251 Pfeilern. In 40 Metern Tiefe erreichen sie festes Gestein unter den sandigen Bodenschichten. An den Außenfassaden 24 weitere Dämpfer, sie sind so platziert, dass sie Schwingungen von allen Seiten abfangen. Inzwischen haben schon Erdbeben von der Stärke von 7,4 Mexiko City erschüttert - in den Büros hat man davon nichts gespürt.

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