wissen.de
You voted 5. Total votes: 90
VIDEO

Unsichtbares Gift

Eine Fischteichanlage bei Brilon im Sauerland. Lebender Sondermüll. Die Fische sehen gesund aus, doch der Schein trügt: Die Forellen sind verseucht. Forscher haben 60 mal höhere PFT Werte in den Fischen gefunden als zulässig.  PFT ist eine Industriechemikalie und gilt als krebserregend. Das fatale: PFT baut sich so gut wie nicht ab, wenn es über Nahrung oder Flüssigkeit in den Körper gelangt. Eine derartige Chemikalie hat der Fischzüchter aber nie verwendet. Das Gift muss von außen in seine Teiche gekommen sein. Und zwar aus dem Bach, der an einem großen Acker vorbeifließt. Fahnder kommen einem gewaltigen Umweltverbrechen auf die Spur. Über Jahre hat eine Industriefirma heimlich Klärschlamm mit PFT unter einen Dünger gemischt.  Bislang wurden 12 verseuchte Felder in Nordrhein Westfalen entdeckt.  Seit Jahren sickert das unsichtbare Gift so völlig unbemerkt in das Grundwasser und in den Bach. Auf dem Weg gelangt es über die Möhne schließlich bis in die Ruhr, in den Fluss, der fast 5 Millionen Menschen mit Trinkwasser versorgt. Im Sommer 2006 geht bei den Wasserwerken Westfalen eine PFT Warnmeldung ein.  Die Wasserwerker suchen täglich nach Spuren von 55 verschiedenen gefährlichen Substanzen, dazu verpflichtet sie die Trinkwasserverordnung. Zur Sicherheit werden auch zusätzliche Werte unter die Lupe genommen. Mit PFT aber hatte bislang keiner gerechnet. Doch die Wasseranalyse aus der Ruhr ist alarmierend: 200 Nanogramm pro Liter, entschieden zu viel für Trinkwasser. Als Sofortmaßnahme verdünnen die Wasserwerker das Wasser mit sauberen Ressourcen. Der Zufluss aus der verseuchten Möhne wird gestoppt. Jetzt fließt Wasser aus unbelasteten Talsperren in die Ruhr. Doch das allein ist in diesem Fall keine Lösung. Normalerweise reicht es aus, das Wasser in Becken zu leiten, es zu filtern und über Kaskaden zu führen. Sauerstoff mobilisiert so Bakterien, die organische Fremdstoffe vernichten.  Dann versickert es durch säubernde Bodenschichten. Doch PFT verseuchtes Wasser muss anders behandelt werden. Hier hilft nur eins: Aktivkohle, ein auf Steinkohle basierendes Pulver. Die Wasserwerker mischen Aktivkohle unter das PFT verseuchte Ruhrwasser und lassen es in große Sandbecken ab. Aktivkohle ist ein besonders poröses Material. Wie ein Schwamm absorbiert sie das PFT. Das gereinigte Wasser versickert. Zurück bleibt eine Schlammschicht, die die Schadstoffe aufgesogen hat.   Doch alle Reinigungsmethoden haben ihre Schattenseiten. Sie hinterlassen kontaminierte Rückstände. Die PFT verseuchte Schicht muss sorgsam abgeschält und dann noch einmal in einer aufwendigen Sandwäsche recycelt werden. Heraus kommt einerseits feiner Sand, in sauberer Qualität, doch zurück bleibt auch eine zähe giftige Schlammbrühe, Sondermüll in einem Volumen, für das ein Klärwerk nicht ausgelegt ist. Und PFT ist sicher nicht der letzte unbekannte Schadstoff, der den Wasserwerkern zu schaffen macht.

You voted 5. Total votes: 90