wissen.de
Total votes: 0
VIDEO

Vertreibung aus Kapstadt

Schlendert man durch die Straßen von Kapstadt lohnt sich ein Blick auf die Geschichte. Die bewegte Vergangenheit der südafrikanischen Stadt wird im District-Six-Museum dargestellt. Es erinnert an einen quirligen schwarzen Stadtteil, der Ende der 60er Jahre abgerissen wurde. Tausende Menschen verloren ihr Zuhause. Offiziell war der Regierung das Viertel zu altmodisch, zu eng und zu dreckig. Der wahre Grund: Rassenhass. Die Schwarzen sollten raus aus der Innenstadt. Einer, der die Vertreibung am eigenen Leib erleben musste, ist der Museumsführer Joe Schaffors. Er sieht im District-Six-Museum den Schlüssel zum Verständnis der Stadt. Joe kann sich noch genau an die damaligen Geschehnisse erinnern. Joe "Erst war es ein Gerücht, dass sie den District Six abreißen und zu einem Viertel für Weiße erklären wollen. Wir wollten es nicht glauben. Nach und nach brachten sie die Leute weg. Dann mussten sie verhindern, dass wir zurückkommen. Da rückten die Bulldozer an. Jedes Mal, wenn die Abriss-Birne zuschlug, war das für mich wie ein Stich ins Herz, weil ein weiteres Stück vom District Six verschwand. "Dieses Foto ist alles, was geblieben ist. Heute steht dort gar nichts mehr. In diesem Haus habe ich 28 Jahre lang gelebt." Amri Ab 1968 ließ die Regierung 60.000 Menschen aus den unterschiedlichsten Kulturen zwangsumsiedeln. Sie wurden in die Townships am Rande der Stadt gebracht.Wer gegen das Regime rebellierte, kam auf die Insel Robben Island in der Bucht vor Kapstadt. Die berühmte Gefängnisinsel ist für Joe immer noch ein bedrückender Ort. Joe "Es ist eine Zeitreise. Nur dort kann man nachvollziehen, wie die Männer gelitten haben für die Demokratie, die wir heute haben. Robben Island steht für Menschen, die für die Demokratie gekämpft haben, ohne dass es in Gewalt ausgeartet ist."Im Hafen begann das Leiden für jene, die den weißen Machthabern ein Dorn im Auge waren. Im Sommer ist es hier unerträglich heiß - im Winter bitterkalt. Es gab Folter und Isolationshaft. Ausbruchsversuche waren wegen der Festlandentfernung von zehn Kilometern und der starken Strömung unmöglich. Erst Mitte der 90er Jahre wurde das Gefängnis geschlossen und zum Museum umgebaut. Die Führer sind allesamt ehemalige Häftlinge und Wärter. Nelson Mandela war der wohl bekannteste Gefangene Robben Islands. Hier saß er zwei Jahrzehnte lang in Haft - die meisten davon in dieser vier quadratmetergroßen Einzelzelle. Doch unterkriegen ließ er sich nicht. Im Kalksteinbruch haben Mandela und seine Mitstreiter das neue demokratische Südafrika geplant - in dieser Höhle - heimlich unter Lebensgefahr. Im Jahre 1993 erhielt er den Friedensnobelpreis und wurde ein Jahr später der erste schwarze Präsident Südafrikas. Joe "Ich bewundere diese Männer. Ich frage mich oft, ob ich dieses Leid ertragen hätte. Ich bezweifle es."Seit 1999 gehört Robben Island zum Weltkulturerbe der UNESCO und Joe weiß: Der Weg zu einem wirklich gerechten Südafrika ist noch weit."

Total votes: 0