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Vom seidenen Faden

Sie ist noch immer etwas Besonderes. Und ihr Name klingt wie ein Versprechen: Seide. Kaum zu glauben, dass dieses kleine Tier für einen der begehrtesten Stoffe verantwortlich ist. Es ist der Seidenspinner, lateinisch Bombyx Mori ,eine Motte, die am Anfang jedes Seidenkleides steht.Als die Chinesen vor Jahrtausenden damit begannen, diese Nachtfalterart zu domestizieren, konnte der Seidenspinner noch fliegen. Mittlerweile hat er das völlig verlernt. Das ist aus menschlicher Sicht auch gar nicht mehr nötig. Denn es sind die Raupen, die die begehrten Seidenfäden produzieren. Im Nordosten Thailands, dem Isan ist die Seidenproduktion neben dem Reisanbau schon seit Jahrtausenden das wichtigste wirtschaftliche Standbein der Menschen. Auch Somwang Kaewsrinuan und ihr Mann Paiboon sind Bauern, die sich neben dem obligatorischen Reisanbau auf das Züchten von Seidenraupen spezialisiert haben. Ihr Tag beginnt mit dem Pflücken von Maulbeerbaumblättern in ihrer Plantage. Niemals würde Somwang den abgeschirmten Stall der Raupen mit Straßenschuhen betreten. Hygiene ist das oberste Gebot bei den empfindlichen Insekten die vor Krankheiten und Parasiten geschützt werden müssen. Auch beim Futter gibt es keine Kompromisse. Die Raupen fressen ausschließlich frische Blätter des Maulbeerbaums. Darum werden die Tierchen mit dem Riesenhunger auch Maulbeerspinner genannt. Für die ganz jungen Raupen müssen die Blätter zerkleinert werden. In der Natur gibt es das natürlich nicht, aber beim Seidenspinner Bomyx Mori ist Vieles nicht mehr natürlich. Es sind hochgezüchtete Nutztiere. Vier Wochen fressen die Raupen unaufhörlich Maulbeerbaumblätter. In dieser Zeit vervielfältigt sich ihr Gewicht um das Zehntausendfache.Zum Vergleich: Ein Menschenbaby mit einem Geburtsgewicht von 3 Kilogramm würde einen Monat später 30 Tonnen wiegen. Somwang und Paiboon arbeiten wie viele andere Bauern als Zulieferer für eine große Seidenfabrik. In deren Auftrag ziehen sie einmal pro Monat eine Generation Seidenraupen groß. Die Fabrik liefert ihnen dafür die millimetergroßen Eier des Seidenspinners. Die Seidenbauern müssen sich nach strengen Qualitätsvorgaben richten, wenn sie für die Seidenfabrik Raupen aufziehen. Die zwei wichtigsten Faktoren sind Hygiene und die exakte Einhaltung der Fütterungszeiten. Wer mit den klaren Vorgaben zurecht kommt, kann dann mit einem für thailändische Verhältnisse guten Verdienst durch die Raupenzucht rechnen. Frau Somwang: Es ist eine gute Arbeit, sich um die Raupen der Firma zu kümmern. Wir bekommen dafür über 10.000 Bath im Monat, das sind 250 Euro. Wir können die ganze Arbeit zu zweit erledigen. Morgens und abends gehen wir Futter holen.Wir fühlen uns wohl mit dieser Arbeit. Es ist eine Art Nebenbeschäftigung, nur morgens, mittags und abends. Und wir haben genug Geld, um unsere Kinder auf eine gute Schule zu schicken. Herr Paiboon: Ich arbeite nebenbei auf den Reisfeldern. Das mache ich vor allem nachmittags. Morgens, mittags und abends kümmere ich mich um die Raupen. Zwischendrin kann ich andere Sachen machen. Diese Arbeit ist nicht sehr kompliziert, aber man muss sehr sauber sein. Am Ende des einmonatigen Raupenstadiums haben die Tiere eine Größe von etwa acht Zentimetern erreicht. Sie hören nun von alleine mit dem Fressen auf. Unruhig bewegen sie ihre Köpfe in der Luft. Die Raupen sind auf der Suche nach einem geeigneten Ort um sich zu Verpuppen. Wenn Paiboon dieses Verhalten der Tiere beobachtet ist es an der Zeit die Raupen umzusetzen. Sie kommen nun in einen speziellen Korb wo jedes Tier genügend Platz für seine weitere Entwicklung hat. Gleich darauf beginnt die Raupe sich mit ihrem Seidenfaden einzuspinnen.Aus zwei Drüsen scheidet die Raupe flüssige Seide aus die sich beim Kontakt mit der Luft zu einem Faden verhärtet. Zwei bis drei Tage dauert der Bau solcher Kokons. Dann beginnt die Puppenruhe mit der wundersamen Umwandlung zum geflügelten Falter. Nach etwa drei Wochen würde solch ein Seidenspinner schlüpfen. Aber das ist hier gar nicht gewollt. Normalerweise werden die Kokons am Anfang der zweiwöchigen Puppenruhe von den Seidenfabrikanten abgeholt. Aber zwei Mal im Jahr produzieren die Bauern ihre eigene Seide mit einer regionalen Raupenart. Um an die wertvolle Seide des Kokons zu kommen, muss Somwang die Tiere in heißem Wasser töten. Nur so bleibt der Seidenfaden unbeschädigt. Somwang wickelt den hauchdünnen Faden des Kokons ab und verzwirnt gleichzeitig mehrere solcher Fäden miteinander. So entsteht ein großer reißfester Faden. Etwa 12.000 Kokons sind nötig, um ein Kilogramm Seidenfaden zu erhalten. Anders ausgedrückt: Für eine Seidenbluse sterben etwa 4.000 verpuppte Raupen, für ein Abendkleid 8000 Tiere. Immerhin: Nachhaltigkeit ist bei den Seidenbauern selbstverständlich. Sie verwenden nicht nur den Kokon der Raupe sondern auch das eingesponnene Tier. Die abgetöteten Puppen werden gekocht oder in Öl in der Pfanne gebraten. Die Spinnerei der Jim Thompson Silk Company in Khon Kang. Endstation für die meisten Raupen, die Somwang und Paiboon züchten. Je nach Raupenart liefern die Seidenbauern der Fabrik weiße oder gelbe Kokons. Als erstes müssen die Kokons durch die Qualitätskontrolle. Nur die unbeschädigten Hüllen werden in der Fabrik weiter verarbeitet. Eric Booth: "It's true that unfortunately that once you wheal the silk of the cocoon the being inside does dies. And it is something (laugh) we have experimented in the past actually. We have still not been able to produce the silk fabrics without stopping the life-circle." Es ist leider wahr, dass das Lebewesen im Kokon stirbt, wenn man die Seide abwickelt. Wir haben da in der Vergangenheit einige Experimente gemacht, aber es ist uns noch immer nicht möglich, Seidenstoffe zu produzieren, ohne den Lebenszyklus des Tieres zu stoppen. Die verpuppten Raupen werden durch das heiße Wasser abgetötet. Das Wasser hilft auch beim Abspinnen und Auswaschen der Seidenfäden. Dann werden auch hier die feinen Fäden zu einem Stärkeren zusammengedrillt. Etwa zwei Kilometer Faden wickeln die Maschinen von einem einzigen Kokon ab. Danach kommen die gesponnen Seidenfäden in die Färberei. Und nach dem Färben und Trocknen kann bereits mit der Verarbeitung begonnen werden.Die Seide wird auf kleine Spulen gerollt und sortiert. Diese Spulen werden als Nähseide verkauft oder sie werden an die Kollegen der eigenen Weberei weitergegeben. Fast 3.000 Menschen arbeiten in der Seidenfabrik. Am lautesten ist es in der Weberei, wo die mechanischen Webstühle ein riesiges akustisches Durcheinander verursachen. Magie ist ein treffendes Wort, um den Stoff zu beschreiben, den Menschen bereits seit mehreren Tausend Jahren herstellen. Die Seide ist ein einzigartiges, unverwechselbares Naturprodukt. Mit Leichtigkeit löst sie das Versprechen ein, für das ihr Name steht. Es ist kaum zu glauben, dass dieser winzige Falter der Anfang jedes feinen Seidenstoffes ist. Gleich nach dem Schlupf paaren sich die Tiere, das Weibchen legt Eier und stirbt. Doch auch wenn der Seidenspinner als Falter nur wenige Tage lebt, existiert das aus ihm gewonnene Produkt als Seide in vielen Formen weiter.

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