wissen.de
Total votes: 46
VIDEO

Weißer Salzberg

Der weiße Salzberg an der hessisch-thüringischen Grenze ist 150 Millionen Tonnen schwer und 200 Meter hoch. Der Regen wird 1.000 Jahre brauchen, bis er die Abraumhalde weggespült hat. Und mit jedem Regenschauer werden Salzabwässer in den Untergrund geschwemmt.Der Boom des weißen Goldes ist ein zweischneidiges Schwert. Einerseits steigert Kali die landwirtschaftlichen Erträge. Andererseits ist die Produktion des Salzes eine massive Umweltbelastung. Seit über 100 Jahren wird in der Region Kali abgebaut. Die Wertstoffe, die auf die Halde und in die Abwässer gelangen, setzen der Natur zu. Walter Hötzel, Vorsitzender der Interessensgemeinschaft der Werra-Weser-Anrainerkonferenz und der Gewässerökologe Ulrich Braukmann untersuchen die Auswirkungen der Kalisalzförderung auf die Umwelt. Sie entnehmen Wasserproben aus der Werra. Oberhalb der Abwässereinleitung aus der Kali-Industrie ist die Werra ein normales, lebendiges Gewässer. Unterhalb ist sie ökologisch fast tot. Die Werra ist der am stärksten mit Salz belastete Fluss Deutschlands.Das zeigen auch die Wasserproben der Umweltschützer: Salzwasserkrebse im Süßwasserfluss. Ulrich Braukmann, Gewässerökologe: "Also wir sehen jetzt hier in dieser Probe eigentlich nur eine Art. Das ist ein salzwasserverträglicher kleiner Krebs, der heißt der getigerte Flohkrebs Gamerus Tigrinus, der originär im Brackwasser an der Meeresküste lebt und sich hier in diesen Verhältnissen aber sehr wohl fühlt. Er hat keine Konkurrenten, er ist so zusagen allein auf weiter Flur und kann aus dem Vollen schöpfen, weil alle anderen Tiere hier an dieser sehr stark salzigen Stelle an der Werra keine Chance haben wegen der doch immer noch zwar erlaubten, aber sehr hohen Salzkonzentration."Die Natur vor den salzigen Abwässern schützen soll ein neues elektrostatisches Trennverfahren, das eine trockene Trennung der Salze ermöglicht, bei der keine Abwässer anfallen.Das Rohsalz wird elektrostatisch aufgeladen. Dabei bekommen Steinsalz und Kaliumsalz durch streng geheime chemische Zusätze unterschiedliche Ladungen.Die Mineralien werden durch ein Hochspannungsfeld in einen so genannten "Freifallscheider" geführt. Dabei wird das Steinsalz vom Minuspol und das Kalisalz vom Pluspol angezogen. Jost Götte, Produktionsleitung Kali + Salz: "Wir haben durch die ESTA Verfahren zwei ganz gravierende Vorteile. Das eine ist Energiesparen und das Zweite ist Abwasserreduzierung. Es ist so, dass wir wenn wir Steinsalz jetzt zur Halde bringen und trocken abtrennen, wir pro Tonne Steinsalz, die wir hier hochbringen, etwa 4 m3 Abwasser vermeiden können." Doch auch das neue Verfahren kann bislang die Umweltproblematik nicht lösen - denn es ist noch nicht so effizient wie herkömmliche Methoden und wird dadurch auch nur bedingt eingesetzt. Der Abbau des Weißen Goldes bleibt eine salzige Belastung für die Natur.

Total votes: 46