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Wie misst man den Meeresspiegel?

Zweimal am Tag kommt Jay Johnson in dieses kleine Häuschen. Die Werte, die sie von der Papierrolle abliest, geben Aufschluss über den aktuellen Stand des Meeresspiegels. Die Kurve zeigt, alle 6 Stunden steigt er , um dann wieder abzufallen. Warum ist das so? Kurz gesagt. Wegen der Gezeiten Ebbe und Flut. Jay Johnsons Beobachtungspunkt ist nur einer von 44 entlang der Küste Großbritanniens. Mit Hilfe von Pegeln erfasst sie die Veränderungen der Meeresströmung. Lange Zeit ist man davon ausgegangen, dass solche Einzelmessungen ausreichen, um den Stand des Meeresspiegels zu bestimmen. Doch seitdem Sateliten, wie "GOCE" die Erde umrunden, ist klar. Die Sache ist viel komplizierter als gedacht. Die Ozeane sind keine ebene Fläche. Auch unter Wasser gibt es Berge und Täler, und die haben Auswirkungen auf den Meeresspiegel. Doch, was ist dann die normale Meereshöhe überhaupt? Sie ist ein Durchschnittswert und deshalb ungenau. Selbst bei Windstille wäre der Meeresspiegel weltweit niemals glatt. Der Grund: die Gravitation - die Erdanziehungskraft. Schauen wir uns das genauer an. So sieht unser Planet wirklich aus - mit Beulen und Dellen. Verursacht werden sie durch die ungleichmäßige Verteilung dichter Gesteine im Erdinneren. Dadurch wird das Wasser unterschiedlich stark angezogen. Dort, wo es unter der Wasseroberfläche schwere Massen gibt wie z.B. Erhebungen, ist auch die Erdanziehung größer. Umgekehrt ist dort, wo etwa am Meeresboden ein Graben vorhanden ist, die Anziehungskraft geringer. Es entsteht eine Delle auf der Wasseroberfläche. Wie z.B. am Marianengraben im Pazifischen Ozean. Nicht nur hier, vor der Küste Großbritanniens, werden regelmäßig die unterschiedlichen Tiefen gemessen Weltweit gehen Wissenschaftler davon aus, dass diese Werte in den nächsten Jahren weiter steigen werden. Schuld ist der Klimawandel. Sie rechnen damit, dass der Meeresspiegel um mehrere Meter ansteigen wird. Wie es um die Erde genau bestellt ist, wird auch mittels "GOCE" - dem neue Erdbeobachtungs-Satellit der ESA - untersucht. Er umkreist in einer Höhe von 250 Kilometern die Erde. Diese Höhe ist notwendig, um möglichst differenzierte Angaben zum Schwerefeld der Erde machen zu können. Das Ergebnis: Exakte Bezugsdaten für Ozean- und Klimastudien. Die Arbeit von Jay Johnson ist deshalb aber noch lange nicht unwichtig geworden. Sie wird auch weiterhin zwei Mal täglich nach dem rechten schauen. Ihre Messungen sowie die Daten der "GOCE" helfen, den Meerespiegel genau zu bestimmen, Schiffskarten könne so genauer gezeichnet und schneller aktualisiert werden.

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