wissen.de
Total votes: 91
wissen.de Artikel

Vom Meer gebracht: Strandgut und was man daraus machen kann

...

Zwischen Daumen und Zeigefinger gehaltenes Seeglasstück
Seeglas gibt es in allen Farben – allerdings sind grün, weiß und braun am häufigsten zu finden.
Schmuck aus Seeglas

„Ich nehme, was sich anbietet, ich nehme, was ich sehe. Die Stücke warten auf mich – ich finde sie beim Spazieren gehen. Sie sind schon dort, wo ich hinkomme. Ich muss mich nur entscheiden und auswählen“ erklärt die Sylter Goldschmiedin Edda Raspé. Und wer kennt sie nicht – die kleinen, bunten Stücke vom Strand, oft mit einer matt-schimmernden Oberfläche, wie geschliffen und gefrostet. Sie glitzern im ablaufenden Wasser wie Edelsteine; die Formen sanft, die Farben wie Pastell. Das ist Seeglas, auch Strand- oder Meerglas genannt.

Es gibt dieses Meerglas in allen Farben – grün, weiß und braun sind am häufigsten. Aber blaue, orangefarbene oder gar rote Stücke zu finden, ist so selten wie Bernstein. Denn Seeglas-Stücke, das waren einmal Flaschen, in seltenen Fällen Geschirr, Medizinflaschen oder Autorücklichter. Seit Jahrzehnten oder gar einem Jahrhundert sind die bunten Stücke schon im Meer und werden im Kontakt mit Sand gerundet, im Laufe vieler Jahre bekommen sie ihre feine, mikrokristalline Oberfläche, die sie so geheimnisvoll schimmern lässt.

Auf Sylt kann man sich aus diesem Seeglas ein Schmuckstück fertigen lassen. Edda und Jonas Raspé fertigen auf Wunsch in ihrer kleinen, feinen Manufaktur in Morsum nach den Vorstellungen ihrer Kunden eine individuelle Kette, einen Ring oder Armreif daraus. „Seeglas hat etwas Geheimnisvolles“, sagt Jonas Raspé, „und die Schmuckstücke einen besonderen Bezug zum Meer. Häufig kommen Kunden mit einem Bernstein, den sie gefunden haben und möchten ein besonderes, individuelles Schmuckstück als Erinnerung an die Nordsee gefertigt bekommen – und manchmal bringen sie auch Seeglas mit“, sagt er.

Schmuckstück aus Seeglas
Seeglas eignet sich gut zur Herstellung von Schmuck- und Dekorationsgegenständen.
Die Geschichten hinter dem Strandgut entdecken

Wer selbst auf die Suche nach Strandgut gehen möchte, der kann an einer Spülsaumwanderung teilnehmen, wie sie beispielsweise in Friedrichskoog regelmäßig angeboten werden. Der Spülsaum markiert den höchsten Wasserstand der letzten Flut und damit die Linie, bis zu der die Wellen gelaufen sind. Hier wird alles zusammengeschwemmt, was im Meer treibt. Einige Strandfunde sehen auf dem ersten Blick unscheinbar aus, andere dagegen fallen schon aus der Ferne auf.

Aber was genau waren diese seltsamen Relikte einmal? Und woher stammen sie? Wer schon immer wissen wollte, zu wem die weißen Mini-Platten gehören, die es auch in Zoohandlungen gibt oder welche Bedeutung die schwammähnlichen Gebilde haben, die es hier zu entdecken gibt, sollte an einer Spülsaum-Exkursion unter fachkundiger Führung teilnehmen. Ein Experte erklärt und identifiziert die Funde – und gibt damit ganz neue Einblicke in ihre Geschichte.

Schulp des Gemeinen Tintenfisches (Sepia officinalis) an einem englsichen Strand
Angespülter Tintenfisch-Schulp.
Nordsee-Tourismus-Service GmbH, 27.05.2016
Total votes: 91