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Wieso ist der Faden rot?

Redewendungen unter der Lupe

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Sprichwörtlich werden bildhafte Ausdrücke dann, wenn sie ständig im selben Wortlaut wiederholt werden und ihre Bedeutung allgemein bekannt ist. Wenn ein Dichter vom “goldenen Himmelsweg“ spricht, ist das zwar auch bildlich gedacht. Bereits der nette Junge von nebenan wird das Bild aber weder kennen noch verstehen. Der goldene Mittelweg ist dagegen allen Muttersprachlern ein Begriff. Die Wiederholung machts.

Zum Forschungsgebiet der Idiomatik im weiteren Sinne gehören auch “geflügelte Worte“ und “Sprichwörter“. Mit letzteren hat übrigens auch die sprichwörtlichste Redensart nicht allzu viel zu tun - bis auf den Namen, der aber hier nicht mehr als Schall und Rauch zu sein scheint. Sprichwörter sind nämlich immer ganze Sätze, die meist eine Lebenserfahrung ausdrücken, kurz gefasste Moralpredigten wie Wer zu spät kommt... Wir wissen, was das Leben mit dem macht. Es gibt allerdings Sprichwörter, die in Redensarten übergehen und umgekehrt. Man sagt Durch Schaden wird man klug, kann aber auch durch Schaden klug werden.

Zu den einfachen Redewendungen kann man auch ganze Sätze zählen wie etwa Das geht auf keine Kuhhaut! Ach du meine Güte! oder Was du nicht sagst! Sie sind aber nicht sprichwörtlich zu nennen und auch keine Sprichwörter, sondern eher “Gemeinplätze“ und “Floskeln“, ein gefundenes Fressen für Phrasendrescher, Spruchbeutel und Schaumschläger.

Auch Ausdrücke wie das Sommerloch oder der springende Punkt gehören zur Idiomatik. Sie findet man aber meistens nur dann im Redensarten-Lexikon, wenn sie immer in demselben sprichwörtlichen Zusammenhang benutzt werden. Wie zum Beispiel das Fettnäpfchen, in das man durchweg hineintritt. Weil der Ausdruck “sprichwörtliche Redewendung“ also nicht immer im gleichen Sinn benutzt wird, gilt für die Suche in Sammlungen und Lexika: Lass dich überraschen!

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