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Xbox

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War bisher nur knapp jeder zehnte Xbox-Besitzer Live-Abonnent, will Microsoft in den kommenden fünf bis sechs Jahren jeden zweiten ins Netz locken. Nicht nur zum Spielen: Auf einem Onlinemarktplatz können sie nun auch Spieleergänzungen, Filme oder virtuelle Güter wie schnellere Autos für Rennspiele von Microsoft und seinen Partnern kaufen. "Wir beobachten, dass die Menschen trotz aller Kaufzurückhaltung bei großen Dingen verstärkt in kleinen Dosen konsumieren", sagte Bachmeyer. Das zeige der Erfolg von Klingeltönen für Handys. "Dem wollen wir mit dem neuen Angebot Rechnung tragen." Zudem können Xbox-Spieler künftig Figuren und Gegenstände aus Spielen wie etwa Waffen oder breitere Reifen für den digitalen Flitzer tauschen und handeln. Microsoft hat sogar eine eigene Währung für den Marktplatz eingeführt: die Microsoft Points. Sie können per Kreditkarte, Lastschrift oder Prepaidkarte erworben werden. 2000 Points kosten 24 Euro.

Lukratives Geschäft

Vorbilder aus der PC-Spielewelt zeigen, dass daraus ein lukratives Geschäft erwachsen kann. Spielehersteller wie etwa Sony kassieren für den Rücktausch virtueller Währungen in echtes Geld Gebühren von bis zu zehn Prozent. Der Zeitpunkt für den Ausbau von Xbox Live ist gut gewählt: In einer Studie zu Videospielen bescheinigte der amerikanische Marktforscher NPD Group Onlinespielern kürzlich "eine wachsende Bereitschaft", Geld für die Scheinwelten auszugeben. Die Anteil der XBox-Besitzer, die überhaupt online Geld ausgeben wollen, stieg von 71 Prozent 2004 auf 78 Prozent in diesem Jahr.

Andere Analysten sind allerdings skeptisch, ob Microsoft seine hohen Ziele mit Xbox Live erreichen kann. "Videospiele sind von Natur aus dazu da, um der Realität zu entfliehen", sagt Michael Pachter, Videospielexperte bei der Bank Wedbush Morgan Securities. Wie beim Fernsehen oder im Kino ließen sich die meisten Menschen lieber mit Unterhaltung berieseln, anstatt mit anderen zu kommunizieren. Pachter zufolge wird daher auch weiter nur jeder zehnte Konsolenbesitzer ins Netz gehen. Wenn Microsoft mehr Rummel auf seinem Marktplatz wolle, müsse der Konzern mit guten Gratisinhalten locken, sagt er. "Am schlauesten wäre es, wenn der Konzern das Spielen über Xbox Live umsonst anböte." Gelingt es aber, viele Xbox-Besitzer für den Live-Dienst zu begeistern, könnte er lukrativ werden. "Microsoft geht es doch eigentlich nicht ums Spielen", sagt Pachter. "Der Konzern will zum nächsten Amazon oder iTunes werden und Inhalte wie Musik und Filme online vertreiben." Die Xbox 360 sei das richtige Mittel dazu, weil Konsolen anders als Computer nicht im Büro, sondern im Wohnzimmer stünden. "Die Xbox ist ein trojanisches Pferd - ist sie einmal mit dem Netz verbunden, wird Microsoft auch seine Inhalte loswerden."

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