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Zeit im Film

90 Minuten für die Ewigkeit

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Momentaufnahmen für die Ewigkeit

Wenn etwa Walter Benjamin vom “Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit“ sprach, dann waren seine weitreichenden Betrachtungen vor allem auf den Film gemünzt: Das bewegte Lichtbild kann in unbegrenzter Anzahl kopiert, vorgeführt und wiederholt werden. Die Filmaufnahme selbst fängt einen bestimmten Ausschnitt der Welt für die Ewigkeit ein, sie reißt ihn somit aus dem zeitlichen und räumlichen Kontinuum und macht ihn für unbegrenzte Dauer konservier- und verfügbar. Mit 24 Bildern pro Sekunde wirft der Projektor den Film auf die Leinwand, und der Betrachter nimmt dies als Illusion von Gleichzeitigkeit wahr - was wir im Kino sehen, geschieht genau in diesem Moment, und dabei ist es völlig gleichgültig, ob die Aufnahmen vor einem Tag, einem Monat oder einem Jahrhundert gemacht wurden.

Das Kino als Zeitmaschine

Aber die Unmittelbarkeit, die Film so effektiv suggeriert, bleibt natürlich eine Täuschung. Jedes noch so realitätsnahe fotografische Abbild ist damit zugleich ein Dokument der Vergänglichkeit, denn auch die stetige Verfeinerung der Technik ändert nichts an der Tatsache, dass der reproduzierte Augenblick ein zwar bewegter, im Endeffekt jedoch lebloser Schatten des unwiederholbaren Ereignisses ist. Doch dies spielt für den Zuschauer im abgedunkelten Kinosaal selten eine Rolle, vielmehr wird er oder sie mittels der perfekten Inszenierung von Wirklichkeit zum gutgläubigen “Zeitzeugen“.

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