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Zukunftsprojekt: Der weltweit erste Unterwasser-Schwebetunnel

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Karte des Tunnelverlaufs
Der Tunnel würde des Einzugsgebiet von Stavanger, der viertgrößten Stadt Norwegens, fast verdoppeln.
Kürzere Reisezeit

Für Touristen könnte die Verbindung interessant sein, da sich durch den Tunnel die Reisezeit zwischen Stavanger und Norwegens zweitgrößter Stadt Bergen, die ein bekanntestes Touristenziel ist, deutlich verkürzt. Bewohner der Region könnten durch die neue Verbindung zudem fährenlos zwischen den Städten Stavanger und dem nördlichen Nachbarort Hausgesund pendeln. Dadurch könnten Einheimische von einem größeren Wohnungs- und Arbeitsmarkt profitieren.

Allerdings müssen sie dafür auch zahlen. Denn der Bau des Megaprojektes soll über Mautgebühren und zusätzliche staatliche Mittel finanziert werden. Die Gesamtkosten werden bisher auf 1,6 Milliarden Euro geschätzt.

Lærdalstunnel
Norwegen besitzt schon jetzt mehr als 1.000 "normale" Straßentunnel: Der im Jahr 2000 eröffnete Lærdalstunnel ist mit 24.5 km der weltweit längste seiner Art.
Ähnliches Prinzip: Schwimmende Brücken

Ein solcher Unterwasser-Schwebetunnel ist natürlich nicht die einzige Möglichkeit, Fjorde zu überbrücken. Norwegen besitzt jetzt schon mehr als 1.100 Verkehrstunnel, davon auch einige unter Wasser. Doch ein Tunnelbau ist nicht immer möglich, weil der Grund eines Fjordes auch schon mal über 1.000 Meter unter dem Meeresspiegel liegen kann. Auch im Boknafjord eignet sich der Meeresgrund nicht für eine Untertunnelung – daher die Idee des schwimmenden Tunnels.

Ganz neu ist die Idee einer schwebenden Wasserüberbrückung allerdings nicht. Denn schon seit Jahren existieren schwimmende Brücken, die ebenfalls durch Pontons getragen werden und damit nach einem ähnlichen Prinzip funktionieren. Im US-Bundesstaat Washington gibt es gleich mehrere Brücken dieser Bauart. Nach längerem Einsatz erlitten die Brücken allerdings Schaden, da sie ständig dem rauen Wetter ausgesetzt waren.

Der neue Unterwasser-Schwebetunnel vermeidet dies, denn er liegt unterhalb der von Wind und Wellen aufgewühlten Wasserzone. Er verknüpft daher im Prinzip die Vorzüge einer Schwimmbrücke mit denen eines Tunnels. Trotzdem dürfte auch dieses Projekt eine Herausforderung für die Ingenieure sein. Wie gut ein solcher schwebender Unterwassertunnel den Wasserdruck und die Strömungen im Fjord tatsächlich übersteht, wird sich erst in Zukunft zeigen. Wenn alles wie geplant funktioniert, könnten jedoch schon ab 2024 oder 2025 die ersten Autos durch den schwebenden Unterwassertunnel fahren.

HDI, 27.10.2016
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