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Zwischen Komik und Tragik

Zum 150. Geburtstag des russischen Erzählers und Dramatikers Anton Tschechow

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Die Illusion einer besseren Welt

Die Schilderungen der zeitgenössischen russischen Gesellschaft, des sich auflösenden Gutsadels, des neu entstandenen Kleinbürgertums und der "Intelligenzija" setzten einerseits durch die liebevolle, aber unbestechliche Analyse menschlichen Verhaltens und sozialer Missstände die Tradition des kritischen Realismus fort; andererseits waren sie in der subtilen Darstellung und Deutung seelischer Zustände und nuancierter Stimmungen dem europäischen Impressionismus und Symbolismus verbunden (Klangwiederholungen, Iterationen von thematischen und formalen Motiven). Ein immer wiederkehrendes Motiv ist die Vorstellung einer besseren Welt, die sich meist als Illusion entpuppt.

Das impressionistische Stimmungsdrama

Dies gilt in noch höherem Maß für die Dramen, in denen zunächst ebenfalls die humoristische Kleinform überwog ("Medvěd'", 1888, deutsch "Der Bär"; "Predloženie", 1889, deutsch "Der Heiratsantrag"). Dann aber entwickelte Tschechow in seinen dramatischen Hauptwerken, mit denen er Weltruhm erlangte, "Čajka" (1896; deutsch "Die Möwe"), "Djadja Vanja" (1897; deutsch "Onkel Wanja"), "Tri sestry" (1901; deutsch "Drei Schwestern") und "Višnevyj sad" (1904; deutsch "Der Kirschgarten") einen neuen Typus des "impressionistischen" Stimmungsdramas, das bei weitgehendem Verzicht auf äußere dramatische Handlung seine Wirkung aus dem Neben- und Gegeneinander von Seelenzuständen und Stimmungen bezieht.

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Brockhaus/ wissen.de-Redaktion
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