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Bevölkerungsentwicklung: Rasantes Wachstum

Wie viele Menschen gab es in der Steinzeit?

Auf etwa 5 Mio. Menschen wird die Weltbevölkerung in der Steinzeit vor rd. 10 000 Jahren geschätzt.

In der Zeit um Christi Geburt sollen 250 Mio. Menschen auf der Erde gelebt haben. Jahrhundertelang änderte sich die Bevölkerungszahl der Erde kaum. Erst um 1500 hatte sie sich auf eine halbe Milliarde verdoppelt. Die erste Milliarde erreichte die Weltbevölkerung ca. 1800, bereits 1927 waren es 2 Mrd. und weitere 33 Jahre später 3 Mrd. Menschen. Die 6-Mrd.-Grenze wurde 1999 überschritten, Mitte 2006 lebten 6,5 Mrd. Menschen auf der Erde.

Wo liegen die heutigen Bevölkerungszentren?

Die Bevölkerung ist ungleich über die Erde verteilt: Die heutigen großen Verdichtungsräume liegen in Ostasien, im tropischen und randtropischen Südasien sowie in Europa und im östlichen Nordamerika. Allein auf diese vier Gebiete, die nur ein Zehntel der Landoberfläche ausmachen, entfallen mehr als 60 % der Weltbevölkerung. Ihnen gegenüber stehen ausgedehnte dünn besiedelte Regionen wie Sibirien und weite Teile Zentralasiens, der Norden Amerikas, das Amazonasbecken, Australien, der altweltliche Wüstengürtel und die Polargebiete.

Wann verdrängt Indien China von Platz eins?

Den Prognosen zufolge werden China und Indien ihre Plätze als bevölkerungsreichste Staaten der Welt bis 2050 getauscht haben. Der Grund liegt in der rigorosen Bevölkerungspolitik Chinas. 1979 wurde angeordnet, dass jedes Paar nur noch ein Kind haben dürfe. Da traditionell in China Jungen bevorzugt werden, trat 2002 ein Gesetz in Kraft, das die Ein-Kind-Politik zwar bekräftigte – doch dürfen Paare auf dem Land ein zweites Kind bekommen, wenn das erste ein Mädchen ist.

Die Volksrepublik China hat heute 1,3 Mrd. Einwohner. Auf Platz zwei der Weltrangliste folgt Indien mit 1,1 Mrd. Menschen. In neun weiteren Staaten lebten 2006 jeweils mehr als 100 Mio. Einwohner: USA, Indonesien, Brasilien, Russland, Pakistan, Bangladesch, Japan, Nigeria und Mexiko.

Warum leben Menschen dort, wo sie leben?

Das Grundmuster der Bevölkerungsverteilung ist seit der frühen Menschheitsgeschichte durch weiträumige Wanderungsbewegungen entscheidend beeinflusst worden. Überwiegend waren Kriege dafür verantwortlich, dass sich Menschen eine neue Heimat suchen mussten – sei es innerhalb oder außerhalb ihres eigenen Landes. Andere Zwänge zur Migration, so der Fachausdruck für Wanderung, sind Menschenrechtsverletzungen oder schlechte Überlebensbedingungen.

Welche Folgen hatte der Sklavenhandel?

Den Handel mit Menschen, die extremste Form erzwungener Migration, gibt es schon seit Urzeiten, im Zuge der Eroberung und Kolonialisierung Amerikas erreichte er aber eine neue Dimension.

Von der ersten europäischen Besiedlung Amerikas 1493 bis zum Jahr 1900 wurden über 11 Mio. Menschen von Afrika über den Atlantik verschleppt. Sie wurden als Arbeitskräfte an die Plantagen und Pflanzungen in Latein- und Nordamerika verkauft. Im 19. Jahrhundert wurde der transatlantische Sklavenhandel schließlich verboten, zuerst 1807/08 durch Großbritannien und die USA. 1848 folgten Frankreich, 1851 Brasilien und 1862 Kuba. Dennoch wurden weiterhin illegal Sklaven über den Atlantik transportiert. Heute ist die Bevölkerung vieler amerikanischer Länder durch diesen Menschenhandel geprägt. So sind 40 % der brasilianischen Bevölkerung Schwarze oder Mulatten.

Welche sind die großen Wanderungsbewegungen?

Schon am Beginn der Menschheitsgeschichte stehen zwei Auswanderungsbewegungen: Von Afrika ausgehend, begann vor 1,8 Mio. Jahren die Verbreitung des Homo erectus, schließlich vor 60 000 Jahren die des Jetztmenschen über die Welt. Die erste große historische Wanderungsbewegung war die sog. Völkerwanderung, die ab dem 4. Jahrhundert n. Chr. in Mittel-, West- und Südeuropa für Erschütterung sorgte: Auslöser war der Einfall von Reitervölkern in Südrussland.

In Europa war die letzte große Bevölkerungswanderung eine Folge des Zweiten Weltkriegs. Mindestens 20 Mio. Menschen verloren ihre Heimat. Krieg und Vertreibung sind bis heute Hauptursache von Wanderungsbewegungen. Anfang des 21. Jahrhunderts gab es weltweit rd. 12 Mio. Flüchtlinge und Asylsuchende.

Welches Land gehört zu den Hauptzielen für Einwanderung?

Die USA. Unbestritten geht von dem »Land der Freien und der Heimat der Tapferen« seit jeher eine ungeheure Anziehungskraft aus. Vor allem im 19. und frühen 20. Jahrhundert wurde es zur Heimat von Einwanderern u. a. aus Großbritannien, Irland, Deutschland, Frankreich, Polen und Russland.

Seit dem Zweiten Weltkrieg haben sich die Schwerpunkte verschoben. So stammten von den fast 18 Mio. Einwanderern zwischen 1961 und 1992 über 5 Mio. aus Asien. Auch der Anteil der Einwanderer aus Lateinamerika ist gestiegen; viele von ihnen sind illegal ins Land gekommen. Bis heute sind rd. 66 Mio. Menschen in die USA eingewandert.

Woran stirbt der Mensch?

Mehr noch als Kriege und Hungersnöte bestimmt das Auftreten von Seuchen wie Malaria, Cholera, Gelbfieber und Typhus die Sterblichkeit und damit die Entwicklung der Bevölkerung.

Die Pest hat seit dem Mittelalter mehrfach ganze Landstriche in Europa entvölkert. Zwischen 1347 und 1352, also binnen fünf Jahren, raffte der »schwarze Tod« allein in Europa mehr als 25 Mio. Menschen, ein Drittel der damaligen Bevölkerung hinweg. Anschließend dauerte es ca. 200 Jahre, bis diese Bevölkerungsverluste wieder ausgeglichen waren. In den beiden letzten Jahrzehnten hat das HI-Virus, das die Immunschwächekrankheit Aids hervorruft, das Ausmaß einer weltweiten Pandemie erreicht.

Wie sieht die Zukunft der Menschheit aus?

Global hat sich die Dynamik des Bevölkerungswachstums in den letzten Jahren verlangsamt. Gab es Mitte der 1990er Jahre noch einen jährlichen Zuwachs von 82 Mio. Menschen, so hat sich die Zahl auf derzeit 75 Mio. abgeschwächt. Für 2050 prognostiziert der UN-Weltbevölkerungsbericht trotz sinkender Geburtenraten und dem verheerenden Einfluss von Aids eine Weltbevölkerung von über 9 Mrd. Menschen.

Wo wächst die Bevölkerung am stärksten?

Der Anstieg der Weltbevölkerung findet zum überwiegenden Teil in den Entwicklungsländern statt. Hier leben die meisten Menschen der Erde, sie sind überdurchschnittlich jung und werden überdurchschnittlich viele Kinder bekommen.

Für die meisten Industrienationen sieht die Prognose allerdings vollständig anders aus. Hier liegt die Gesamtfruchtbarkeitsrate bei 1,6 und hat damit die entscheidende Grenze von 2,1 unterschritten. So viele Nachkommen sind notwendig, damit die Generation der Kinder die der Eltern ersetzen kann. Anders ausgedrückt: Die Bevölkerungszahlen nehmen ab, beispielsweise in Deutschland mit der Gesamtfruchtbarkeitsrate 1,3 von derzeit 82 Mio. auf voraussichtlich 59 Mio. im Jahr 2050. Schon heute leben in den Industrienationen nur 18 % junge Menschen unter 15 Jahren. Stattdessen sind 15 % der Bevölkerung älter als 65, in den geburtenstarken Entwicklungsländern liegt diese Quote bei lediglich 5 %.

Wie viele Menschen kann die Erde ernähren?

Die Frage nach der Tragfähigkeit unseres Planeten wird bereits seit einigen Jahrhunderten kontrovers diskutiert. Da künftige Entwicklungen nur schwer vorherzusehen sind, wurde und wird die Frage von Fachleuten sehr unterschiedlich beantwortet. So kam der deutsche Statistiker Johann Peter Süßmilch (1707–97) 1765 zu dem Ergebnis, dass die Welt rd. 14 Mrd. Menschen ernähren könne, der britische Nationalökonom Thomas Robert Malthus (1766–1834) sah dagegen mit seiner pessimistischen Bevölkerungstheorie 1798 bereits bei einer Milliarde Menschen die Grenze in bedrohlicher Nähe. Neuere Schätzungen, die die Möglichkeiten der Steigerung von Ernteerträgen, aber auch die vom Menschen hervorgerufene Umweltzerstörung stärker berücksichtigen, liegen bei 14–16 Mrd. Menschen.

Kommt die Bevölkerungsexplosion zum Stillstand?

Um diese Frage beantworten zu können, behilft man sich mit dem Modell des demographischen Übergangs. Es veranschaulicht die Veränderungen von Geburten- und Sterberaten der Bevölkerung europäischer Länder seit Beginn der Industrialisierung.

In der vorindustriellen Zeit herrschte eine recht hohe Sterblichkeit, die aus den vorhandenen Geburtenüberschüssen keine nennenswerten Bevölkerungszunahmen entstehen ließ. Im Gegenteil, Seuchen, Hungersnöte und Kriege führten zeitweise eher zu Bevölkerungsrückgängen. Als sich durch die modernen Methoden der Medizin und Hygiene die Sterblichkeit im beginnenden Industriezeitalter erheblich verringerte, ergab sich bei gleichbleibender Geburtenzahl eine rasche Bevölkerungszunahme. Durch gestiegenen Lebensstandard oder höhere Bildung kam es zum deutlichen Rückgang der Geburten, was in den Industriestaaten in der Schlussphase sogar zu einem Bevölkerungsschwund führte. Aus diesen Beobachtungen glauben Wissenschaftler schließen zu dürfen, dass sich die Probleme der Bevölkerungsexplosion in den Entwicklungsländern im Zeitverlauf von selbst erledigen.

Wussten Sie, dass …

der 6 000 000 000. Erdenbürger am 12. Oktober 1999 in Sarajevo (Bosnien-Herzegowina) geboren wurde?

im Jahr 2000 die Zahl aller Menschen, die jemals geboren wurden, bei ca. 106 Mrd. lag?

alle Entwicklungsländer zusammen etwa 45 Jahre brauchen, um ihre Bevölkerungszahl zu verdoppeln? Die Industriestaaten würden dazu 747 Jahren benötigen.

Was ist eigentlich ...

die Geburtenrate(-ziffer)? Die Zahl der Lebendgeborenen auf je 1000 der Bevölkerung pro Jahr. Analog dazu ist die Sterberate oder Sterbeziffer die Zahl der Todesfälle je 1000 der Bevölkerung.

die Fruchtbarkeitsrate? Die Zahl der Lebendgeborenen auf 1000 Frauen im gebärfähigen Alter zwischen 15 und 45 Jahren.

die Lebenserwartung? Der statistische Begriff gibt an, welches Alter die im laufenden Jahr geborenen Kinder voraussichtlich erreichen werden.

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