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Homosexualität – bitte keine Klischees

Vorurteile gegenüber Homosexuellen – auch heute noch

Pluralismus, Demokratie, Gleichberechtigung für alle gesellschaftlichen Gruppen – diese Werte prägen unsere Gesellschaft, und wir sind stolz darauf. Aber sind wir wirklich so tolerant und offen, wie wir uns gern sehen? Diese fünf Vorurteile gegenüber Schwulen und Lesben halten sich auch heute noch – sie werden nur seltener offen ausgesprochen.

Vorurteil Nr. 1: „Homosexualität ist eine Krankheit“

So direkt würde das natürlich niemand sagen. Die Weltgesundheitsorganisation hat 1992 – relativ spät – die Homosexualität aus dem Katalog der psychischen Störungen entfernt und damit klare Verhältnisse geschaffen. Heute sprechen wir von der sexuellen Identität einer Person, die zum Beispiel hetero- oder eben homosexuell sein kann. Trotzdem lassen sich noch immer Verhaltensweisen gegenüber Schwulen und Lesben beobachten, die den Anschein erwecken, als müsste sich da jemand vor Ansteckung schützen. Als die Kultusministerien mehrerer Bundesländer beschlossen, Homosexualität in den schulischen Sexualkundeunterricht aufzunehmen und so schon früh der Diskriminierung entgegenzuwirken, liefen vor allem religiöse Gruppen Sturm. „Wenn dann erst Homokunde in den Schulen erfolgreich ‚flächendeckend’ eingeführt ist, können wir damit rechnen, dass noch mehr Jungen und Mädchen ... in der normalen, entwicklungsbedingten homoerotischen Phase steckenbleiben“, kommentierte beispielsweise die für ihre christlich-konservativen Standpunkte bekannte Jugendpsychotherapeutin Christa Meves. Mit anderen Worten: Wer im falschen Alter erfährt, dass es Schwule und Lesben gibt, könnte selbst bald dazu gehören. Und noch eine zweite Botschaft steckt in dem Statement der umstrittenen Expertin: Eine psychisch normal entwickelte Person ist immer heterosexuell, Homosexualität ist eine Entwicklungsstörung. Auch die von türkischen Muslimen gegründete deutsche Partei „Bündnis für Innovation & Gerechtigkeit“ (BIG) geht auf die Barrikaden, wenn es um die schulische Aufklärung über Homosexualität geht. Im Berliner Wahlkampf 2011 verteilte die Partei Flugblätter, auf denen zu lesen war: „Alle Kinder schützen. BIG Partei gegen Schulfach ‚Schwul’“. Da ist er wieder, der Tenor: Kinder müssen vor Homosexualität geschützt werden.

Die Wahrheit ist: Auch wenn religiöse Eiferer etwas anderes behaupten – die Gründe, warum manche Menschen eine andere sexuelle Identität entwickeln als die Mehrzahl, sind wissenschaftlich noch nicht geklärt. 2008 veröffentlichten schwedische Forscher eine Studie, für die sie über 3.800 Zwillingspaare zu ihren sexuellen Erfahrungen und Interessen befragt hatten. Ihre Ergebnisse zeigen, dass die Ursachen, die zur Ausprägung der sexuellen Identität führen, ziemlich komplex sind. Sowohl erbliche Faktoren als auch individuelle Erfahrungen spielen dabei eine Rolle. Den geringsten Einfluss haben das gesellschaftliche und familiäre Umfeld. Anzeichen für gesunde und kranke Entwicklungen konnten die Forscher ebenso wenig identifizieren wie ein bestimmtes Gen, das zu Homosexualität führt.

 

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von Alexandra Mankarios, wissen.de
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Homosexualität – zwischen Diskriminierung und Gleichberechtigung

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