Worin unterscheiden sich die Aufgaben von Dolmetscher und Übersetzer?
Dolmetscher treten in Aktion, wenn eine Verständigung auf Grund komplizierter Inhalte und besonderer Situationen nicht möglich ist. Dolmetscher übersetzen dabei mündlich auf Konferenzen, Tagungen, während Gesprächen und Gesprächsrunden, im Gerichtssaal und zu anderen Gelegenheiten, meist aus der Fremd- in die Muttersprache. Das besondere: Sie arbeiten fast immer live und vor Publikum. Manchmal laufen Fernsehkameras mit, und Patzer oder Hänger machen sich unangenehm bemerkbar. Höchste Konzentrationsfähigkeit und nervliche Belastbarkeit zeichnen Dolmetscher daher aus.
Übersetzer übertragen Texte in eine fremde Sprache oder aus einer fremden Sprache in ihre Muttersprache. Ihr Metier ist also nicht das gesprochene, sondern das geschriebene Wort. Beim Übersetzen geht es weniger um Schnelligkeit und Reaktionsfähigkeit wie beim Dolmetschen, sondern um Akribie und Genauigkeit. Unterschieden wird grob zwischen Literatur- und Fachübersetzern. Die Masse der Übersetzer befasst sich mit Fachtexten, nur eine Minderheit überträgt Literatur aus einer Fremdsprache ins Deutsche.
Insgesamt steigen die Anforderungen an Dolmetscher und Übersetzer ständig. Sprachgefühl und das Beherrschen von zwei, besser drei Fremdsprachen neben der Muttersprache sind nicht mehr als eine Grundvoraussetzung für den Job. Vielmehr müssen sie in der Lage sein, selbst komplizierteste fachliche Inhalte in einer fremden Sprache zu verstehen bzw. wiederzugeben. Wenn man sich vor Augen führt, wie schwer verständlich etwa juristische Texte schon im Deutschen oftmals sind, dann wird klar, welche Erfahrung es verlangt, solche Inhalte zu übersetzen oder zu dolmetschen.
Kurz & bündig
Dolmetscher und Übersetzer sind Kommunikationsprofis. Mit ihrer Hilfe gelingt es Menschen unterschiedlicher Herkunft, Kultur und Sprache, sich mündlich (Dolmetscher) oder schriftlich (Übersetzer) zu verständigen. Meist übertragen sie Inhalte aus einer fremden in ihre Muttersprache.
Wo arbeiten Dolmetscher und Übersetzer?
Dolmetscher arbeiten meist außerhalb ihres Büros, da sie dort gebraucht werden, wo Menschen unterschiedlicher Sprache zusammen treffen und miteinander kommunizieren wollen. Das sind in erste Linie Konferenzen und Tagungen von Unternehmen und Organisationen, geschäftliche und politische Gespräche sowie Verhandlungen, Talkshows und Runde Tische. Freude am Reisen sollten Dolmetscher daher unbedingt mitbringen. Dafür haben sie die Möglichkeit, fremde Kulturen kennen zu lernen und viel in der Welt herum zu kommen.
Allerdings ist die Chance auf eine feste Anstellung gering. Stellen etwa bei großen Unternehmen oder internationalen Organisationen sind mehr als dünn gesät. Wer Glück hat, kommt in einem Übersetzungsbüro unter. Die überwiegende Mehrheit der Sprachexperten arbeitet freiberuflich. Auf 20.000 Dolmetscher und Übersetzer schätzt der Berufsverband der Dolmetscher und Übersetzer (BDÜ) die Anzahl insgesamt, von denen nur etwa 10 Prozent fest angestellt sind. Allerdings steigt die Zahl der Bürogemeinschaften, in der sich die Einzelkämpfer zusammen schließen. Einerseits um Kosten zu sparen, andererseits um ihre unterschiedlichen Fähigkeiten und Kenntnisse zu potenzieren und gegenseitig daraus Nutzen zu ziehen.
In Stellenausschreibungen für Dolmetscher finden sich auch die Bezeichnungen:
- Diplom-Dolmetscher/in,
- Konferenzdolmetscher/in,
- Simultandolmetscher/in,
- Konsekutivdolmetscher/in.
Übersetzer sind sesshafter als Dolmetscher. „Ich bekomme meine Aufträge sehr oft per Mail oder Fax direkt ins Büro“, erklärt Ellen Göppl, die als Übersetzerin bei einem Freiburger Dolmetscher & Übersetzungsservice arbeitet. Das Büro hat sich auf Themen aus Wirtschaft, Technik, Recht, Medizin, Umwelt, Städtebau/Architektur und Politik spezialisiert. Ein breites Feld, das enormes Wissen verlangt. Daher nimmt bei dieser Arbeit die Recherche am Computer einen breiten Raum ein. Die Auftraggeber sind große weltweit tätige Unternehmen, aber auch mittelständische Firmen aus mehreren Ländern, Verbände, Verlage, Universitäten, Gewerkschaften, Gerichte und Behörden, das Europäische Parlament, internationale Organisationen und Botschaften. Auch Übersetzer arbeiten in der Mehrzahl freiberuflich oder in Netzwerken. „Nur sehr große Unternehmen und Organisationen leisten sich eigene Übersetzer“, weiß Ellen Göppl.
In Stellenausschreibungen werden Übersetzer auch unter folgenden Bezeichnungen gesucht:
- Translator/in
- Sprachmittler/in
- Technik-Übersetzer/in
- Diplom-Fachübersetzer/in,
- Diplom-Übersetzer/in.
Was genau machen Dolmetscher/Übersetzer?
Dolmetscher übertragen gesprochene Worte aus einer Fremdsprache in ihre Muttersprache oder umgekehrt. Meist beherrschen sie ein bis zwei Fremdsprachen in einer Perfektion, die dicht ans Muttersprachliche herankommt. Entsprechend den Einsatzbedingungen und den Wünschen der Auftraggeber gibt es verschiedene Möglichkeiten des Dolmetschens:
- Häufigste Form des Dolmetschens, das insbesondere bei großen, mehrsprachigen Tagungen und Konferenzen angewendet wird, ist das Simultandolmetschen. Die Dolmetscher arbeiten zu zweit, manchmal zu dritt in Simultandolmetschanlagen, also Kabinen, die sie vom Geschehen ringsherum abschirmen. Sie hören die Rede des Vortragenden über Ohrhörer und übersetzen zeitgleich und fortlaufend, in dem sie den übersetzten Text in ein Mikrofon sprechen. Es arbeiten immer Dolmetscher zusammen, die die gleiche Fremdsprache übersetzen.
- Bei kleineren Veranstaltungen wie Seminaren, Produktpräsentationen oder kleineren Pressekonferenzen wird häufig das Konsekutivdolmetschen angewendet. Der Dolmetscher überträgt das Gesagte in eine andere Sprache, nachdem der Redner seine Ausführungen beendet hat. Er sitzt meist mit am Tisch, arbeitet also ohne Dolmetschanlage. Der Dolmetscher muss sich bei dieser Variante einen längeren Text merken und dann zusammengefasst, aber dennoch möglichst exakt wiedergeben.
- Beim Verhandlungsdolmetschen überträgt der Dolmetscher das Gesagte meist satz- oder abschnittsweise hin und her, und zwar zwischen zwei und mehr Gesprächspartnern. Diese Form kommt meist bei Verhandlungen, auch vor Gericht oder bei Werksführungen zum Einsatz.
- Flüsterdolmetschen ist sehr kleinen Veranstaltungen und Verhandlungen vorbehalten. Es gibt zwei Varianten: Bei maximal zwei Zuhörern sitzt oder steht der Dolmetscher hinter den Zuhörern und übersetzt leise simultan. Bei Führungen benutzt er dagegen eine sogenannte Flüsteranlage, die aus Mikrofon und Empfänger besteht. Hier arbeiten meist zwei Dolmetscher zusammen.
- Gebärdendolmetschen ist eine Sonderform - hier wird aus oder in die Gebärdensprache übersetzt .
Übersetzer befassen sich mit der schriftlichen Übertragung von Texten, meist Fachtexten, in eine andere Sprache. Gut beraten ist, wer sich neben einer exzellenten Sprach- auch eine gute Allgemeinbildung angeeignet hat. Damit findet man sich auf vielen Gebieten grundsätzlich zurecht. Doch das genügt nicht: „Da es sich bei den Übersetzungen oft um sehr spezielle Fachthemen handelt, kommt man nicht umhin, sich auf einige Themen zu spezialisieren“, meint Ellen Göppl. „Denn oftmals ist für uns nicht das Finden von passenden Fachvokabeln das Hauptproblem, sondern das Verstehen des Inhalts und der Zusammenhänge.“ In vielen Fällen nützt eine wörtliche Übersetzung nichts, da sonst der Sinn entstellt oder unpräzise dargestellt wird. Umfangreiche Recherchearbeiten, meistens am PC, gehören daher zur Arbeit des Übersetzers. Außerdem darf man sich nicht scheuen, bei Unklarheiten den Auftraggeber zu konsultieren.
Die Aufträge reichen von Websites über Computerhandbücher, Verträge, Geschäftsbriefe bis hin zu ärztlichen Befunden oder Zeugnissen und Heiratsurkunden. Neben Akribie gehören laut Ellen Göppl absolute Zuverlässigkeit und Termintreue zu den Übersetzer-Tugenden. „In unserem Beruf sind sehr gute Referenzen wichtig, damit sich Kunden einen Eindruck von der Qualität des Übersetzers verschaffen können“, meint sie. „Da die Berufsbezeichnung nicht geschützt ist, kann man sich nur durch Referenzen und eine gute Ausbildung von der Masse abheben.“
Wer ist geeignet?
Da sowohl Dolmetscher als auch Übersetzer meist freiberuflich arbeiten, müssen sie sich auf dem größtenteils gesättigten Markt durchsetzen können: Selbstdarstellung, aber auch betriebswirtschaftliches Know how gehören dazu, um eine eigene Existenz aufzubauen. Dolmetscher müssen zudem ein gewandtes Auftreten haben, anpassungsfähig und belastbar sein. Übersetzer müssen insbesondere bereit sein, sich schnell und gründlich in immer neue Fachgebiete einzuarbeiten. In jedem Fall ist die Wahl der richtigen Sprachkombination entscheidend. Englisch ist und bleibt die gebräuchlichste Sprache. Nur wer sich eine Nische suchen und aufbauen will, ist mit exotischen Sprachen gut beraten.
Für diesen Beruf eignen sich vor allem:
- Diplom-Dolmetscher/in bzw. Diplom-Übersetzer
- Staatlich geprüfte/r Dolmetscher/in bzw. Übersetzer/in
- Quereinsteiger mit Fach- und Sprachkenntnissen
Wo und wie studieren?
Ein Hochschulstudium Dolmetschen und/oder Übersetzen - egal ob an Universität oder Fachhochschule - ist in jedem Fall eine geeignete Form, sich auf den Beruf vorzubereiten. Die Zahl der Universitäten und Fachhochschulen, die ein solches Studium anbieten, ist begrenzt.
Interessant ist der Hildesheimer Studiengang Internationale Fachkommunikation, in dem Sprachen und technische Inhalte aufeinander bezogen studiert werden. Denn Übersetzer sind immer mehr - auch in der technischen Dokumentation und der Software-Lokalisation - als Fachleute für interkulturelle Kommunikation tätig.
Insgesamt geht der Trend hin zu Internationalisierung der Angebote und zur Integration von fachlichen Inhalten. Auslandsaufenthalte während des Studiums werden vielfach bereits verlangt und sollten ansonsten in Eigeninitiative organisiert werden.
Als privates Institut hat sich für Übersetzer und Dolmetscher das Sprachen & Dolmetscher Institut München etabliert. Die Ausbildung zum Übersetzer dauert drei, die zum Konferenzdolmetscher fünf Jahre.
Konkurrenz erhalten studierte Dolmetscher und Übersetzer von sprachlich versierten Fachleuten, etwa aus der Medizin- oder IT-Branche. Mehrjährige Auslandaufenthalte und entsprechend exzellente Sprachkenntnisse ermöglichen diesen einen erfolgreichen Einstieg ins Übersetzergeschäft.
Daneben bereiten Ausbildungen an Berufsfachschulen, etwa zum Fremdsprachenkorrespondenten, in bestimmten Umfang auf die Tätigkeit des Übersetzers vor.
Wo und wie weiterbilden?
Eine gute Adresse für Weiterbildungen ist der Berufsverband der Dolmetscher und Übersetzer (BDÜ). Hier wird versucht, neben reinen Sprach- vor allem breite Fach- und Sozialkompetenzen zu lehren. Für Quereinsteiger geeignet sind die Angebote von Fachakademien und privaten Instituten, die auf die staatliche Prüfung zum Übersetzer bzw. Dolmetscher vorbereiten. Möglich ist Fern- und Vollzeitunterricht. Beispiel: AKAD Die Privathochschulen, die in verschiedenen Bundesländern 18monatige Kurse aus Fern- und Nahunterricht und für verschiedene Sprachen anbieten. Einen viersemestrigen Masterstudiengang „Übersetzen, Fremdsprachen, Konferenzdolmetschen“ bietet die Uni Mainz, die Uni Hildesheim hat neu einen Masterstudiengang „Fachkommunikation - Sprachen und Technik“ im Anschluss an die Bachelor-Ausbildung im Angebot.
Kontakt
Bundesverband der Dolmetscher und Übersetzer e.V.
Bundesgeschäftsstelle
Kurfürstendamm 170 10707 Berlin
Tel. 030/ 887 128- 30
Fax: Fax 030/ 887 128- 40
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