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wissen.de Artikel

Fernstudium – einsam oder autonom?

Ein Fern- oder Online-Studium von zu Hause aus - ist das etwas für mich? Oft treten bei diesen Überlegungen Zweifel und Ängste auf: Schaffe ich das? Bin ich diszipliniert genug? Kann ich mich selbst organisieren ohne festen Lehrplan?

Wer ist für ein Fernstudium geeignet?

Ein Fern- oder Online-Studium ist vor allem geeignet für:

  • Akademiker, die im Beruf stehen und ein Aufbau- oder Ergänzungsstudium anstreben.
  • Berufstätige, die sich in Zukunft mit einer neuen Aufgabe beschäftigen wollen und hierfür das notwendige Rüstzeug brauchen.
  • Fach- und Führungskräfte in gehobenen Positionen, die den Aufstieg in höherwertige Tätigkeiten mit erweiterten Verantwortungsbereichen suchen.
  • Menschen, die weit weg von der Hochschule ihrer Wahl wohnen und nicht an den Hochschulort umziehen können.
  • Kranke oder behinderte Menschen, die die Hochschule nur schwer persönlich erreichen können.
  • Mütter oder Väter, die kleine Kinder erziehen.
  • Junge Menschen, die den Zivil- oder Grundwehrdienst ableisten.
  • Menschen, die sich neuestes Fachwissen, und damit erweiterte Potenziale für sachgerechte Problemlösungen aneignen wollen.

Das Angebot

Ein Fernstudium bedeutet orts- und zeitunabhängiges Lernen. Man lernt nicht an der Hochschule, sondern arbeitet den Lehrstoff in Form von Studienbriefen, Audio- und Videokassetten zu Hause durch. Zunehmend werden auch Computer und Internet als Übertragungs- und Kommunikationsweg genutzt. Ein Fernstudium ist meist ein komplettes Erst- oder Aufbaustudium, während Fernunterricht einzelne Lehrgänge oder Kurse meint.

In der Bundesrepublik werden gegenwärtig rund 180 Fernstudienmöglichkeiten in technischen, sozial-, kultur- und wirtschaftswissenschaftlichen Fachbereichen angeboten - davon 43 als Erststudiengänge. Hauptanbieter kompletter Fernstudiengänge sind die Fernuniversität Hagen und die ihr angeschlossenen privatwirtschaftlichen Institute, einzelne Hochschulen und Fachhochschulen sowie die drei privaten Fernfachhochschulen der AKAD, die 1979 in Rendsburg als erste staatlich anerkannte Hochschule für Berufstätige gegründet wurde.

Ein Fernstudium ist nicht kostenlos. Die Fernuniversität Hagen erhebt beispielsweise von ihren Studenten Gebühren für den Bezug des Studienmaterials. Für ein Vollzeitstudium sind etwa 250 Euro pro Semester zu veranschlagen, für ein Teilzeitstudium 150 Euro. Für weiterführende Studiengänge werden höhere Studiengebühren erhoben.

Daneben bieten rund 150 Institute in Deutschland mehr als 1.200 Fernlehrgänge an. Die Anbieter sind zum großen Teil private, aber auch gemeinnützige Einrichtungen. Die Angebotspalette reicht von anspruchsvoller Weiterbildung im Bereich der beruflichen Bildung mit staatlich anerkanntem Abschluss, hohen Fremdsprachenqualifikationen bis hin zu Maßnahmen der beruflichen Fortbildung. Im allgemein bildenden Bereich bietet Fernunterricht beispielsweise die Chance, das Abitur nachzuholen. Im persönlichen Weiterbildungsbereich reicht das Angebot von technikorientierten Lehrgängen bis zu persönlichkeitsentwickelnden Maßnahmen wie Rhetorik oder Teammanagement.

Infos zu Fernlehrgängen und -unterricht gibts bei der Staatlichen Zentralstelle für Fernunterricht. Einen Link dorthin und noch weitere der wichtigsten Anbieter finden Sie hier.

Die Lehre

Der wesentliche Unterschied zwischen Fernuniversität und traditionellen Präsenzuniversitäten liegt in ihrer besonderen Lehrmethode: Die Fernuni vermittelt ihre Studieninhalte über Lehrmedien wie Studienbriefe, Computerlernprogramme, Audio- und Videokassetten sowie über das Internet. Sie verzichtet auf die ständige Anwesenheit der Studierenden am Hochschulort und bietet damit einen maximalen Spielraum bei der Gestaltung des Studiums. An Fernuniversitäten existieren daher auch keine Hörsäle. Mit Ausnahme weniger Präsenzveranstaltungen wird Wissen nicht in Vorlesungen vermittelt. Der Lehrstoff kommt in regelmäßigen Abständen per Post zu den Studierenden nach Hause, wo diese ihn selbstständig erarbeiten.

Anbieter von Fernstudiengängen und Fernlehrgängen nutzen heute das Internet immer stärker für ihre Lehre. Die Grenzen zum Online-Studium und zur virtuellen Universität verschwimmen. Die FernUniversität Hagen wandelt sich seit 1996 zur virtuellen FernUni. Die Initiatoren wollen mehr bieten, als "nur" digitalisiertes Lehrmaterial oder Videokonferenzen. Eine grafische Oberfläche führt den Studierenden durch die virtuelle Universität und eröffnet ihm mittels Passwort den Zugang zu Seminaren, Praktika und Laboren, in denen er sich den Lehrstoff in einem Medienmix aus Hypertexten, Computer based Training (CBT), Simulationen, Vorlesungselementen auf Video oder in Gruppendiskussionen und -arbeit aneignen kann.

Technisch ist es also bereits machbar, die gesamte universitäre Lehre von aktuellen Forschungsergebnissen bis zu administrativen Funktionen dem Benutzer online zur Verfügung zu stellen, ohne dass er je einen Fuß in die Universität setzen müsste.

Perspektiven für die betriebliche Weiterbildung

Fernlehrgänge und Fernstudiengänge sind besonders interessant für Berufstätige, die sich nebenbei weiterbilden möchten. Einige Unternehmen unterstützen die Initiative ihrer Mitarbeiter sogar, indem sie

  • die Studiengebühren voll oder in Form von Zuschüssen übernehmen,
  • bezahlten Urlaub für die Präsenz- und/oder Prüfungszeit geben,
  • die Gründung von Lerngruppen unterstützen,
  • Gruppenarbeiten durch die Bereitstellung von Räumen unterstützen.

In der betrieblichen Weiterbildung finden Fernlehrgänge ihren sinnvollen Einsatz, wo es gilt, aktuelles Fach- und Methodenwissen sowie theoretische Grundlagen zu vermitteln. Gerade bei aufeinander aufbauenden, langfristig angelegten Qualifizierungsmaßnahmen müssen in einem ersten Schritt die unterschiedlichen Vorkenntnisse der Teilnehmer auf einen einheitlichen Wissensstand gebracht werden. Dabei ergibt sich häufig das zusätzliche Problem, den individuellen Lerngeschwindigkeiten der Teilnehmer Rechnung zu tragen.

Mit der Verbreitung des Internets werden zunehmend E-Learning-Projekte in deutschen Unternehmen durchgeführt. Ziel ist es, Reisekosten und Fehlzeiten aufgrund von Präsenzseminaren einzusparen. In der innerbetrieblichen Weiterbildung wechseln E-Learning-Maßnahmen häufig mit Präsenzseminaren ab, um den persönlichen Kontakt der Seminarteilnehmer zu fördern. Das Mix aus fernunterrichtlichem Selbststudium und innerbetrieblichen Seminaren oder Workshops erhöht die Effektivität von Weiterbildungsmaßnahmen und senkt zugleich deren Kosten.

Aufbau und Ablauf des Fernstudiums

Die Uni des Fernstudenten ist die eigene Wohnung. Durch die zeitliche und örtliche Flexibilität des Studiums und der Studierenden löst sich die herkömmliche Struktur eines Hochschulstudiums auf. Selbstorganisation und ein gutes Zeitmanagement sind mitunter die wichtigsten Faktoren, um das Studium erfolgreich abzuschließen.

Fließende Übergänge

Fern- und Online-Studiengänge sind zwar grundsätzlich auch in Grund- und Hauptstudium und einzelne Semester aufgeteilt. Durch die zeitliche Flexibilität des Studierenden verschwimmen jedoch die Grenzen zwischen Semester und Ferien und zwischen Studien- und Freizeit. Jeder Student kann lernen wann er will und wo er will, er kann Vollzeit oder Teilzeit studieren. Feste "Vorlesungszeiten" existieren so gut wie nicht.

Zu Beginn der einzelnen Semester erhalten die Studenten Studienbriefe - entweder per Post oder online zum Download. Die Studienbriefe enthalten Lehrtexte, die einer Vorlesung entsprechen und einen Überblick über das Stoffgebiet geben, Literaturhinweise zur intensiven Beschäftigung, ein Glossar, das die jeweiligen Fachausdrücke erklärt, sowie eine Beschreibung der Lehrziele. Hinzu kommen Übungsaufgaben, die von den Studierenden zur Selbstkontrolle gelöst werden sollten, außerdem Einsendeaufgaben, die von den Studierenden in einer bestimmten Frist zu lösen sind und vom Lehrpersonal der FernUniversität korrigiert werden. Die Einsendeaufgaben stellen eine wesentliche Leistungskontrolle dar. Die Zulassung zu einer Klausur setzt die erfolgreiche Bearbeitung der Hälfte der möglichen Einsendearbeiten in jedem Kurs/Teilgebiet oder Fach voraus.

Präsenz vor Ort

Etwa 20 Prozent des Studiums finden in Präsenz an der Hochschule statt. Dort werden Vorlesungsinhalte vertieft, ergänzt, Leistungsnachweise erbracht sowie Laborübungen und Seminare durchgeführt. Die Präsenzveranstaltungen finden in der Regel an den Wochenenden statt. Termine und Inhalte werden zu Semesterbeginn bekannt gegeben. Klausuren finden ebenfalls als Präsenzveranstaltungen statt und werden verbundweit gleichzeitig geschrieben. Für Seminare und Praktika wird in einigen Bundesländern Bildungsurlaub gewährt. Als Berufstätiger muss man also keinen Urlaub nehmen.

Werden Fernstudiengänge durch netzbasierte Lerneinheiten unterstützt, erhalten Studierende Zugang zu Lernplattformen im Internet. Zu Beginn des Studiums lernen die Studierenden die Betreuer kennen, die sie in das Lernraumsystem einführen. Die multimedial aufbereiteten Lehrinhalte stehen im Internet in Form von Modulen permanent zur Verfügung. Über Chats und Newsgroups innerhalb der Lernplattform haben die Studierenden außerdem die Möglichkeit, mit Kommilitonen und Betreuern zu kommunizieren, um Fragen zu klären oder in Gruppen Aufgaben zu bearbeiten.

Voll- oder Teilzeitstudium?

Online- und Fernstudiengänge können sowohl in Teilzeit als auch in Vollzeit durchgeführt werden. Jeder Studierende kann seine Studienzeit individuell nach den eigenen Wünschen und Bedürfnissen organisieren.

Vollzeitstudium

Wer sein Studium möglichst rasch durchziehen will, kann auch per Online- oder Fernstudium Vollzeit studieren. Der Zeitaufwand beträgt im Durchschnitt 50 Stunden pro Woche. Arbeitet der Student nebenbei nicht mehr als 10 Stunden und studiert die übrige Zeit, spricht man immer noch von Vollzeitstudium. Gerade zu Hause sind große Selbstdisziplin und ein gutes Selbstmanagement nötig.

Teilzeitstudium

Teilzeitstudenten sind die Studierenden, die - aus sehr unterschiedlichen Gründen - nicht in der Lage sind, ihre gesamte Zeit und Kraft dem Studium zu widmen. Ein Teilzeitstudium liegt vor, wenn weniger als 25 Stunden pro Woche für das Studium reserviert sind. Das Studienpensum halbiert sich pro Jahr. Die Studiendauer verlängert sich entsprechend.

Die sechzehnte Sozialerhebung des deutschen Studentenwerks aus dem Jahr 2000 zeigt, dass Teilzeitstudierende heutzutage nicht mehr die große Ausnahme sind: 13 Prozent der Hochschüler studieren faktisch nur mit halbem Zeitaufwand. Dies sind aber nicht nur Fernstudenten. Allerdings ist eine Erwerbstätigkeit nicht der allein ausschlaggebende Grund für ein Teilzeitstudium. Viele haben Kinder oder andere familiäre Verpflichtungen.

In den Niederlanden, Großbritannien und den USA ist es schon längst gängige Praxis. In Deutschland muss sich das Teilzeitstudium an Universitäten erst noch etablieren.

Nachteile von Fern- und Online-Studium

Überwiegend allein zu Hause zu lernen ist nicht jedermanns Sache. Ein hohes Maß an Eigenverantwortung, Selbstdisziplin und persönliches Zeitmanagement sind erforderlich, damit ein Fern- oder Online-Studium zum Erfolg wird. Es gibt einige Punkte, in denen das Studium zu Hause deutlich im Nachteil gegenüber dem Präsenzstudium ist.

  • Bei Fern- und Online-Studium mangelt es an direkten persönlichen Kontakten - sowohl zu den Lehrpersonen wie auch zu den Studienkollegen.
  • Auch der spontane Dialog, die Diskussion, in Kursen oder Seminaren fehlt. Die räumliche Distanz zwischen den Lehrenden und den Lernenden führt dazu, dass entsprechende Medien verwendet werden müssen, mit denen der Wissensstoff vermittelt werden kann.
  • Das Lehrmaterial wird möglicherweise gehortet, um bei Bedarf darauf zurückgreifen zu können. Für einen nachhaltigen Lernerfolg ist allerdings das kontinuierliche "Dranbleiben" unbedingte Voraussetzung.
  • Manche E-Learning-Konzepte sind noch nicht ausgereift genug und gehen nicht über bloße Internetpräsenz und "ins-Netz-Stellen" hinaus.
  • Es ist keine Handbibliothek in Griffnähe, wo Studierende kurz etwas nachschlagen können.
  • Der "äußere Druck" zur Arbeit ist häufig niedriger als an einer Präsenzhochschule, so dass eine hohe Eigenmotivation erforderlich ist. Das Studieren geschieht weitgehend selbstständig mit einem gewissen Aufwand für Rückfragen.
  • Bei berufsbegleitenden Fernstudien muss ein gehöriger Teil der Freizeit regelmäßig investiert werden. Angehörige müssen diesen Aufwand - nicht selten mehrere Stunden pro Tag - tolerieren, besser noch akzeptieren und unterstützen.
  • Die Studiengebühren stellen eine zusätzliche finanzielle Belastung dar. Die meisten Fern- oder Online-Studienanbieter verlangen Geld. Bei den Privaten können schnell einige tausend Euro zusammen kommen.
  • Gerade bei länger dauernden Studiengängen ist es am Anfang schwer absehbar, ob Sie das Studium über mehrere Jahre durchziehen können.

Vorteile des Fern- bzw. Online-Studiums

Studieren ohne lange Wege zu einem Hochschulcampus und ohne lästiges frühes Aufstehen, studieren zu jeder Tages- und Nachtzeit? Abgesehen von der eigenen Bequemlichkeit haben Fern- und Online-Studiengänge weitere handfeste Vorteile:

  • Gerade für diejenigen, die voll im Berufs- oder Familienleben stehen, stellt es einen eminenten Vorteil dar, dass der Lernort im Fernunterricht frei gewählt werden kann und somit lange Anfahrtszeiten fast vollständig entfallen.
  • Ein Fernstudium ermöglicht eine relativ hohe Zeitflexibilität, da Sie weitgehend zu den von ihnen gewählten Zeiten an Orten Ihrer Wahl lernen und studieren können.
  • Der Einsatz verschiedener Medien bedeutet eine abwechslungsreiche Form des Lernens und spricht gegenüber dem herkömmlichen Direktuntericht verschiedene Sinne an.
  • Eine umfassende Betreuung der Fernstudierenden erfolgt während der gesamten Studienzeit durch Professoren, wissenschaftliche Mitarbeiter und Dozenten. Diese persönliche Betreuung motiviert und unterstützt die Studierenden.
  • Die Lernmodule hängen nicht von der Tagesform des Dozenten oder von Ihrer Fähigkeit zum Mitschreiben ab.
  • Lehrinhalte, die an der jeweiligen Uni oder FH nicht angeboten werden, können ergänzend über die virtuelle Hochschule wahrgenommen werden.
  • Sie können Studienangebote von verschiedenen nationalen und internationalen Hochschulen nutzen.
  • Keine Parkplatzsuche, keine überfüllten Hörsäle - Studierende müssen keine unnötigen Erschwernisse überwinden, die Zeit und Nerven kosten.
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