Die ETA - im Namen der Freiheit gegründet
Als eine Gruppe nationalistischer Studenten aus Bilbao am 31. Juli 1959 die Organisation "Euskadi Ta Askatasuna" gründet, geht es ihnen darum, gegen die Unterdrückung durch das Franco-Regime zu kämpfen. "Das Baskenland und seine Freiheit" bedeutet der Name übersetzt. Doch stehen die Initialien ETA heute längst nicht mehr für den Widerstand gegen eine Diktatur, sondern nur noch für Gewalt und Terror. Während ETA in den Anfangsjahren als Verfechterin eines unter Francisco Franco in die Illegalität abgedrängten baskischen Nationalismus mit Sympathien im In- und Ausland rechnen konnte, gelten die ETA-Anhänger inzwischen als ewig Gestrige. Denn noch immer töten sie für ein unabhängiges Baskenland, das kaum noch ein Baske will.
Zumal von den 2,1 Millionen Einwohnern des "País Vasco" nur 600.000 Basken sind. Und mögen die meisten von ihnen auch mit einem gesunden Nationalstolz ausgestattet sein, so streben sie noch lange keine Abkehr vom spanischen Staat an. Die Forderung der Terroristen nach Unabhängigkeit erscheint umso absurder, bedenkt man, dass nur die Provinzen Vizcaya, Guipuzcoa und Álava sowie die Autonome Region Navarra zu Spanien gehören, die Provinzen Soule, Basse-Navarre und Labourd jedoch auf französischem Gebiet liegen.
Geschichtlicher Hintergrund
Die separatistischen Tendenzen im Baskenland sind historisch gewachsen und ergeben sich aus der kulturellen und sprachlichen Eigenheit der Region. Die Ursprünge des Euskera sind weitgehend unbekannt, verwandt mit den romanischen Sprachen ist das Baskische jedenfalls nicht. Mit dem Königreich Pamplona wurde der erste baskische Staat jedoch schon im frühen 9. Jahrhundert ins Leben gerufen. 1979, im Zuge der "transición", des friedlichen Übergangs Spaniens von der Diktatur zur parlamentarischen Monarchie, erhielt die baskische Region erneut den Autonomiestatus, den sie bereits zu Zeiten der spanischen Republik besessen hatte.
50 Jahre Terror
Den Autonomiestatus, der per Volksabstimmung verabschiedet wurde, lehnte die ETA von Anfang an ab. Sie wollte mehr - wenn nötig mit Waffengewalt. Am 7. Juni 1968 stirbt das erste Ofper der ETA durch einen Kopfschuss: Es ist ein Verkehrspolizist, der ein Fahrzeug kontrollierte. Darin saßen die Etarras Txabi und Joseba Etxebarrieta, seine Mörder. Nur wenige Tage später verübt die ETA ihren ersten geplanten Mordanschlag. Im Kugelhagel stirbt der Polizeikommissar Melitón Manzanas, ein berüchtigter Folterer des Franco-Regimes.
Nach dem tödlichen Anschlag auf den damaligen spanischen Ministerpräsidenten Admiral Luis Carrero Blanco am 20. Dezember 1973 rühmt sich die Terror-Organisation des Mordes an ihrem bislang ranghöchsten Opfer. Nur ein Jahr später tötet die ETA zwölf Menschen bei einem Bombenanschlag auf ein Café in Madrid. 1980 fallen 91 Menschen dem ETA-Terror zum Opfer. Eine Autobombe in Barcelona tötet am 19. Juni 1987 beim bislang schwersten Anschlag der ETA 21 Personen vor einem Supermarkt.
Die Opfer: vom Zivilisten zum Monarchen
Polizisten, Richter, Politiker, aber auch immer wieder Zivilisten werden von den Separatisten hingerichtet. Selbst vor einem Mordanschlag auf König Juan Carlos schrecken die Terroristen nicht zurück. 1995 entgeht der Monarch einem Mordversuch - während seines Sommerurlaubs auf Mallorca.
Entführungen von Politikern, um inhaftierte Gesinnungsgenossen frei zu pressen, heimtückische Kopfschüsse und immer wieder blutige Bombenattentate - ETA mordet sich durch die Jahrzehnte, ungeachtet dessen, dass sie dabei immer mehr Rückhalt in der Bevölkerung verliert. ETA wird zum Sinnbild des Mordens. So vermutet man hinter den verheerenden Bombenanschlägen auf Madrider Regionalzüge vom 11. März 2004 auch zuerst die baskische Terrororganisation. Bis sich wenig später herausstellt, dass den Tod von knapp 200 Menschen islamistische Terroristen zu verantworten hatten.
Eine im März 2006 ausgerufene Waffenruhe der ETA endet nur wenige Monate später nach gescheiterten Verhandlungen mit der spanischen Regierung - mit dem Mord an zwei Passagieren auf dem Madrider Flughafen.
ETA - noch immer eine tödliche Gefahr
Inzwischen konnte der Großteil der ETA-Aktivisisten, darunter viele Führungsmitglieder, zwar verhaftet werden, doch zum 50-jährigen Bestehen scheinen die Terroristen noch einmal unter Beweis stellen zu wollen, wie gefährlich sie noch immer sind. Von den Morden und Anschlägen auf Mallorca im Sommer 2009 können sich die Etarras jedenfalls eine große Strahlkraft versprechen. Auch wenn die spanische Königsfamilie demonstrativ ihren Sommerurlaub auf der Ferieninsel fortsetzt - die Touristen sind verunsichert. Selten zuvor haben sie den ETA-Terror so hautnah miterlebt wie in diesen Tagen.




