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Vornamen: Zur Geschichte deutscher Rufnamen

Langnese mit der langen Nase

Der Gotenkönig Theoderich und andere alte Germanen hatten keine Vor- und Nachnamen, sondern lediglich Rufnamen. So lange die Bevölkerungszahlen klein und die gesellschaftlichen Verhältnisse übersichtlich waren, brauchte man keine Familiennamen im heutigen Sinne. Das änderte sich um das 12. Jahrhundert herum, als die ersten größeren Städte entstanden. Nicht zuletzt organisatorische und rechtliche Gründe führten dazu, dass aus Namenszusätzen wie “der Schneider“, “der Bamberger“ oder “der Langnasige“ Familiennamen wie Schröder, Bamberger oder Langnese entstanden.
Als “deutsch“ werden Vornamen wie Bernhard oder Adelheid bezeichnet, die sich entweder auf (west-)germanische Ursprünge in frühdeutscher Zeit (etwa 750-1150 n. Chr.) zurückführen lassen oder ihnen nachgebildet sind. Auch Satznamen wie Fürchtegott und Gotthelf, die im 17./18. Jahrhundert entstanden, gelten als “deutsch“. Der Namensbestandteil Frei- kam erst im 19. Jahrhundert auf. So vermischte der Dichter Achim von Arnim alte und neue Namensbestandteile, als er seine Söhne Freimund, Siegmund, Friedmund und Kühnemund nannte.
Bis ins 12. Jahrhundert gab man in der Regel den eigenen Namen weiter, variierte ihn vielleicht, so dass der Sohn eines Hildebrand und einer Gertrud durchaus Gerbrand heißen konnte. Doch dann wurden im Zuge der Kreuzzüge und des damit verbundenen Heiligen- und Reliquienkultes verstärkt biblische Namen und Heiligennamen vergeben. Ab dem 16. Jahrhundert wurde die Benennung nach den Taufpaten immer wichtiger: zumindest als Zweitnamen durften sie nicht fehlen. Heutzutage herrscht das freie Namenswahlrecht. Man kann sich also nach tradierten Mustern richten oder aber frei nach ästhetischen und anderweitigen Gründen wählen.

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