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Rauhnächte

Alljährlich reitet in den zwölf Nächten zwischen Heiligabend und Heilig-Drei-König eine ungestüme Schar über den Himmel: Die Wilde Jagd ist unterwegs. Unter Hundegebell führt der germanische Gott Wotan zusammen mit seiner Gefährtin Holda das Heer von Verstorbenen an.

So jedenfalls lautet der Volksglaube. Die Zeit zwischen den Jahren war den Menschen früher unheimlich und sie trafen vielerlei Vorkehrungen gegen Geister und Dämonen. Noch heute werden in ländlichen Gegenden Stall und Haus unter Segenssprüchen ausgeräuchert - daher der Name "Rauhnächte" oder "Rauchnächte". Außerdem galten die Tage zwischen 24. Dezember und 6. Januar als "Lostage", an denen ein Blick in die Zukunft möglich schien. Es hieß, jede der zwölf Nächte entspreche einem der zwölf Monate.

Zugleich war es eine stille, ruhige Zeit. Wie die Natur, die sich im Winter ganz in sich zurückgezogen hat, schöpften die Menschen neue Kraft. Die Frauen arbeiteten nicht; die Wäsche durfte nicht gewaschen werden, man zehrte von den weihnachtlichen Vorräten an Brot und Früchtekuchen. Sogar in Kriegen ruhten die Waffen.

Zum Schutz gegen die bösen Geister wurden Freunde nach Hause eingeladen. Man feierte nach Herzenslaune. Auch für ungebetene Gäste stand die Türe offen. Gastgeber und Besucher spielten, scherzten und schmausten zusammen.

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Monika Wittmann
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